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Kirgisien

8. bis 11. Oktober, 6. bis 13. November

Währung: 1 € = 70–72 Som; 1 US$ = 58 Som;
Monatseinkommen: um 20000, 35–40000 gilt als sehr gut.

Kirgisien, auf Englisch Kyrgyzstan, mit seiner Hauptstadt Bishkek war An- und Abflugziel.

bishkek

Kirgis Geld
Lenin Denkmal
Immer noch weist ER den Weg. Inzwischen hat man das Denkmal hinter sein Museum verbracht.

Der Flughafen Manas liegt knapp 33 km von der Stadt. Man kann nicht sagen er entspräche internationalen Standards. In die Stadt gelangt man zur Not mit einem Marschrut, diesem Wunder an Ineffizenz, mit dem ein Großteil des öffentlichen Nahverkehrs in der ehemaligen Sowjetunion abgewickelt wird. Dabei handelt es sich um umgebaute Kombis (à la Sprinter) – meist alte deutsche Handwerkerfahrzeuge, wie an den Beschriftungen unschwer zu erkennen, in die man 10–15 Personen hineinzwängt und die prinzipiell nie abfahren solange noch Platz ist. Mit Gepäck wird’s eng. Sie bedienen gewisse Strecken unregelmäßig zum Festpreis. Ansonsten ist man der Taxler-Mafia ausgeliefert, die in Zentralasien noch mehr als ihre Kollegen andernorts sämtlich Fremde betrügende Ganoven sind. (Ich habe in der ganzen Zeit nur einen einzigen anständigen, ehrlichen Fahrer getroffen.)
Bedient werden auch per Sammeltaxi längere Strecken zwischen bestimmten Orten, da ein vernünftiger Bahnbetrieb gar nicht, Fernbusse kaum verkehren. Man bepackt sie mit mindestens fünf Personen, die sämtlich ihren halben Hausstand mitführen. Eine härtere Tortur als sechs Stunden eingezwängt zu dritt auf der Rückbank eines Opel Astra über Schlaglochpisten – mit einem vollen Rucksack am Schoß – kann man sich kaum vorstellen, besonders da zahlreiche Männer der Region, bedingt durch die papierfreie Art der Toilettenbenutzung einen Körpergeruch der Sorte „hundeln“ verbreiten.

Fredl Fesls Taxilied

Von den besuchten Städten war Bishkek sicherlich die entspannteste, was wohl auch daran liegt, daß man im Lande – im Gegensatz zu den anderen ’stans seit 1991 schon zweimal den Präsidenten gewechselt hat (es wurde allerdings etwas „nachgeholfen“). Wie alle zu Sowjetzeiten ausgebauten Städte zeichnet sich auch Bischkek durch das fast vollständige Fehlen von Straßenschildern (außerhalb des Stadtkerns) sowie einer Beschilderung von Hausnummern oder Türschildern aus. Wenn man dann nur per Zeichensprache eine Richtung erfragen will, so wie ich das ohne Russisch tun mußte, ist man, vor allem nachts, gelinde gesagt am Arsch!

Angekommen bin ich frühmorgens am ersten kalten Herbsttag. Es regnete dauerhaft, später kam dann Schneeregen bei knapp 6 °C hinzu, während ich 1½ Stunden bei miserabler Straßenbeleuchtung umherirrte bis ich eine Unterkunft fand, die sich dann als mies und überteuert herausstellte. Das Hostel Inn, zentral gelegen auf Nr. 142 an der lauten Chui Ave. (die zentrale Ost-West-Achse der Stadt). Die sanitären Anlagen bestehen aus einer Naßzellen/Toilettenkombi auf 1,50 m im Quadrat für 15–20 Gäste. Gelüftet wird diese in das 4-Mann-Dorm hinaus, was zu erheblicher Geruchsbelästigung führen kann. Reinigung erfolgte allenfalls oberflächlich. Was lernen wir daraus: Der erfahrene Reisende bringt immer Taschenlampe, Ohrstöpsel und Klopapier mit.

Bishkek
Manas Platz 1 Fahne Wachen Soz. Realismus Deutsche Botschaft Hexenhäusl Frunse
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Nun habe ich mir gleich zu Anfang nicht nur eine kräftige Erkältung eingefangen, sondern auch gleich im North Face-Laden eine Daunenjacke für € 100 gekauft, die bei uns locker € 250 kosten würde. Dumm nur, daß es bis zum Ende der Reise nicht mehr kalt wurde und ich das Ding nun schleppte. Zum Glück läßt sich Daune gut zusammenpressen. (Inzwischen bin ich der Meinung einer chinesischen Fälschung aufgesessen zu sein, warm ist das Teil trotzdem.)

Bericht

Am Morgen meines Abfahrtstages bin ich dann in der Nähe des Osh-Basars auf sehr überzeugend wirkende falsche Polizisten reingefallen, die mich mit dem uralten Geldschein-Wechsel-Dich-Trick um € 150 erleichterten. Ärgerlich weniger der Betrag, sondern daß mir die Masche bekannt und ich ausdrücklich gewarnt war. Immerhin hatte ich dann das Erlebnis den Rest des Vormittags die nicht als unbedingt effizient verschriene kirgisische Polizei bei der Arbeit zu beobachten zu dürfen. Eine junge, sympathische Russin, die ich im Flugzeug kennengelernt hatte dolmetschte per Telephon. Man gab sich sichtlich Mühe, wohl eher weil man auf die „Konkurrenz“ sauer war, gefunden hat man die Burschen nicht. Eigentlich klar, die hatten ja genug für die nächsten zwei Wochen verdient. Netterweise fuhr man mich dann noch zum Busbahnhof und setzte mich in die richtige Karre nach Almaty. Wie das Bild (re.) eines Berichts eines japanischen Touristen zeigt, war ich wenigstens nicht der einzige, der auf die Masche reinfiel. – Und was lernen wir daraus? Echte kirgisische Polizisten sind auf ihren Dienstausweisen IMMER in Uniform abgebildet, auch wenn sie in zivil arbeiten.
Mit dem zusätzlichen Loch in der Reisekasse, nach Daunenjacke und Afghanistanvisum habe ich mich dann entschlossen den Trip um zehn Tage abzukürzen.


über die berge und den toktul-see

Nach dem Transit durch Usbekistan am 5. November und angenehm verbrachter Nacht im Fernfahrerhotel bei Salkaldy-Say mußte ich nach Bishkek zurück. Nun gibt es entlang der Hauptstraße, die über 800 km die beiden größten Städte verbindet noch Bushaltestellen. Busse fahren aber, weil die Straße angeblich zu gefährlich ist, keine mehr. Also Finger raus, wie das die Einheimischen auch machen. Mir war zunächst nicht klar, daß eigentlich nur gehalten wird, wenn man die 500 km in die Hauptstadt durchfährt. Nach einer knappen Viertelstunde hielt dann auch ein ordentlicher größerer Honda. Als allererstes wollte einer der Mitfahrer meine Adresse, um nach Deutschland zum Arbeiten zu kommen – als LKW-Fahrer, angesichts der in Zentralasien üblichen Fahrweise eine erschreckende Vorstellung. Ich muß aber sagen, daß er, nachdem er das Steuer später übernommen hatte, gut fuhr. Nach vielen hin- und herüberlegen und -telephonieren fand sich eine Deutschlehrerin im Bekanntenkreis, die ein bißchen dolmetschte und die erfreuliche Nachricht weitergab, daß man mich die ganze Strecke nach Bishkek mitnehmen würde.

Die Strecke selbst geht vom Ferganatal langsam hoch zu einer Bergkette, am größten Staudamm des Landes vor Karaköl vorbei. Dann geht es zum Toktugul-See, kurz hinter dem wir Mittag machten. Es gab frittierten Fisch aus dem See, lachsähnlich – auch den hat mein immer noch schwacher Magen vertragen. Es folgt ein Anstieg über 80 km zum Ala-Bel-Paß auf 3484 m. Danach kommt eine Hochebene, in der man im Sommer Jurten für Touristen aufbaut, die es gerne abgelegen mögen. Landschaftlich sehr reizvolles Grasland, aber vollkommen baumlos. Von weitem grüßen Viertausender. Nach knapp 60 km würde man dann den Töö-Amut-Paß auf knapp 3600 m erreichen. Man hat jedoch vor einigen Jahren einen Tunnel gegraben, der 1000 m darunter durchführt. Dann geht es relativ flott in die Ebene der Provinz Chui hinab, Bishkek, hundert Kilometer weiter liegt auf 800 m.
An Fahrkostenbeteilgung wären etwa 1500 S. üblich gewesen, der Wagenbesitzer hat mir dann 2000 abgenommen, was etwa der halben Benzinrechnung für die Gesamtstrecke von Osh entsprach. Angesichts des Komforts im neuen Auto, der angenehmen Gesellschaft und sicheren Fahrweise ein Zuschlag den ich gerne bezahlt habe.

Fernstraße M41
Leider ließ sich die grandiose Gebirgslandschaft mit dem Handy aus dem fahrenden Auto nicht ordentlich photographieren.
Faergana Staudamm Fahrer 2 Tunnel Abwärts  Moschee
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bishkek, zum zweiten, 7.–12. nov.

Kaukasus
Blick auf den Kaukasus.

Die letzten paar Tage vor dem Rückflug habe ich es dann entspannt angehen lassen können. Abgestiegen im von einem japanisch-kirgisischen Ehepaar geführten Sakura Guesthouse hatte ich Gelegenheit in einer Woche mehr japanisch zu sprechen als in den letzten drei Jahren. Dabei trifft man in solchen Teilen der Welt eher unkonventionelle Japaner.
Etwas störend – und das war das einzige Mal außerhalb Afghanistans überhaupt – war der morgendliche Weckruf des Muezzin, der alle Hunde der Nachbarschaft kurz nach fünf in der Früh zu noch lautem Heulen anregte. Sonst hört man in der Region, wie in der Schweiz, keine Gebetsrufe.
Da mein Rückflug bereits um sieben Uhr morgens gewesen wäre, hätte er nicht zwei Stunden Verspätung gehabt, verbrachte ich die letzte Nacht am Flughafen, hingebracht von einem Taxler der absolut kein Wechselgeld zu haben vorgab, es dann aber plötzlich, immer nur ein Scheinchen, aus irgendwelchen Verstecken im Auto herauszog. Bis Istanbul hatte ich dann netterweise noch den Platz am Notausgang mit ausreichend Beinfreiheit. In München habe ich dann vorsichtshalber nur meinen Personalausweis vorgelegt, man weiß ja nicht, wie auf gewisse Stempel reagiert wird …

Bilder zu diesen Tagen finden sich im Abschnitt» Persönliches (Kennwortgeschützt).