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Kasachstan

11. bis. 15. Oktober

Währung: 1 € = 230 Tenge; 1 US$ = 180 T.
Monatseinkommen: ø 120000 T. (€ 530)

kasachstan

Almaty Apfel
Das Symbol der Stadt Almaty, ganz ohne Wurm.

Der Aufenthalt beschränkte sich im wesentlichen auf drei Tage in der ehemaligen Hauptstadt Almaty. Auch die besuchte ich eigentlich nur, weil es verleichsweise einfach war. Zum einen fahren direkte Busse von Bishkek, zum anderen hat die kasachische Regierung, „probeweise für ein Jahr“ zum 15. Juli 2013 die Visumspflicht für Staatsangehörige der zehn wichtigsten Investorennationen für 15tägige Besuche jeder Art aufgehoben. Diese Regelung wurde 2014 um ein weiteres Jahr verlängert. Wer länger als 30 Tage im Lande ist muß seine Lunge röntgen lassen und einen negativen HIV-Test vorlegen. Besonders letztere Diskriminierung ist angesichts der Tatsache, daß der Ort Temirtau das Epizentrum der zentralasiatischen AIDS-Epidemie war, vollkommen untragbar. Weite Gebiete des Landes sind als Sperrzonen nur mit Sondererlaubnis bereisbar, so die Region Baikonur (mit dem Weltraumbahnhof).
Die Ausländer-Registrierungspflicht (Natürlich gibt es bei uns auch Meldezettel im Hotel und die Verpflichtung seinen Wohnsitz innerhalb 14 Tagen in der Gemeinde anzumelden, was hier aber innerhalb fünf Kalendertagen zu erledigen ist, ist von ganz anderm Kaliber.) besteht weiter. Prinzipiell hat sich jeder Fremde spätestens am fünften Kalendertag (Einreisetag zählt mit) registrieren zu lassen. Bessere Hotels erledigen das auf Anforderung. Nicht-GUS-Angehörige können sich nur in Almaty und Astana anmelden. Theoretisch werden im Rahmen des probeweise aufgehobenen Sichtvermerkszwangs Eingereiste automatisch registriert. Erkennbar ist dies daran, daß zwei Stempel am Einreisezettel (migration card) angebracht werden. Zuverlässig funktioniert das nur am Flughafen, an den Landgrenzen „vergißt“ man es gerne. Bei fehlender Registrierung werden um € 200 Strafe fällig.

Das Land ist eine autoritäre Präsidialdiktatur wo um den „Kasachbashi“ Nursultan Nasarbajew feinster Personenkult betrieben wird. So gibt es zum Beispiel im obersten Stockwerk eines Wolkenkratzers in der aus der Wüste gestampften neuen Hauptstadt Astana Seinen Handabdruck in Gold – Normalsterblichen soll es Glück bringen, die Hand dort hineinzulegen. Im Gegensatz zu den anderen regionalen Diktaturen, gelangt vergleichsweise viel Geld aus den Öl- und Gaserträgen in Umlauf (wobei der Präsidentensippe noch genug bleibt), so daß der Lebensstandard der noch im Lande Verbliebenen hoch ist – fast alle „Wolga-Deutschen“ die ab 1941 nach Kasachstan umgesiedelt wurden, leben heute in der BRD; die Russen gingen zurück ins Mutterland, stellen aber in den nördlichen Städten noch die Bevölkerungsmehrheit. Das heißt nicht, daß man ansonsten weniger polizeistaatmäßig mit Ausländern umgeht. Das Preisniveau, besonders für Lebensmittel liegt teilweise deutlich über dem Mitteleuropäischen (etwa wie in der Lebensmittelabteilung beim Kaufhof). Transportkosten (biliges Benzin) und Unterkünfte sind jedoch bezahlbar. (Übersicht Lebenshaltungskosten)

Buchtips: * ; Godfather-in-law: Tatort Österreich: im Fadenkreuz des kasachischen Geheimdienstes; Wien (Iberia); ISBN 9783850523226
* pdf: Kasachstan: 7 ökologische Plagen, die größte Katastrophenzone Zentralasiens

Nach der Grenze, mit beidseitig effizienter Abfertigung, geht es erst durch einige Berge, wo man querfeldeinreitende Schaf- und Ziegenhirten sieht. Bald wird es flach … endlose Weiten (Bild oben). Auf die ökologische Katastrophe im Lande, daß mit Ansteigen der Erdtemperatur in hundert Jahren vollkommen zur Wüste geworden sein wird, kann ich hier nicht eingehen – es gibt jetzt schon eine „Hungersteppe“ genannte Region.

almaty, früher alma-ata

In der „Stadt der Äpfel“ ist man stolz darauf, daß die Urväter der Gattung Prunus aus der Region stammen. Wer mich kennt, weiß warum mir der Ort allein schon deshalb unsympathisch ist. Almaty ist eine schachbrettartig zu Sowjetzeiten massiv gewachsene Großstadt ohne eigentlichen Stadtkern. Die Orientierung ist ohne Russisch schwierig, lediglich für die zahlreichen Autofahrer gibt es über den jeweiligen Querstraßen brauchbare Hinweisschilder mit Straßennamen. Wie überall in der Region sind Straßenschildern an Häusern knapp, Hausnummern selten und Türschilder mit Nummern oder Namen vollkommen unbekannt. (Dieser Brauch stammt aus guten, alten Sowjetzeiten – so wußten die Herren in den langen schwarzen Ledermänteln vom KGB nicht, wer wo wohnte, wenn sie jemanden bei Nacht und Nebel abholen kamen.)
Angenehm auffallend ist das Einhalten von Verkehrsregeln. Selbst früh um halb drei wird am Zebrastreifen für Fußgänger gebremst. Einige Fahrer schnallen sich sogar an.

Panfilov-Park, Almaty
Ivan Panfilov, der im Park auch mit Denkmal geehrt wird, war ein Sowjet-General, der bereits früh im zweiten Weltkrieg bei der Verteidigun Moskaus gefallen ist. Zuvor hatte er sich in der Bekämpfung der islamistischen Basmatschi-Rebellen in Zentralasien einen Namen gemacht.
Kriegerdenkmal 1 Kriegerdenkmal 3 Kriegerdenkmal 3 Wachablösung 1 Wachablösung 2 Wachablösung 3 Kathedrale 1 Kathedrale 2
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Dank meiner Dummheit hatte ich den Morgen auf der Polizei in Bischkek verbracht und kam somit, nach fünf Stunden Fahrt im Minibus, erst bei Einbruch der Dunkelheit am auswärts gelegenen Busbahnhof an. Mit im Bus eine Engländerin, die ihre Masterarbeit über kasachische Umweltprobleme schreibt, und ein sagen wir mal „etwas eigener” Deutscher, der sich zumindest in Fragen der Bürokratie auskannte. In Kasachstan gilt „jedes Auto ist ein Taxi,“ nur der Preis ist Verhandlungssache. Irgendwie gelangte ich dann in die Nähe meiner Unterkunft, verbrachte dann zwanzig Minuten in einem finsteren Hinterhof damit die Bude zu finden. Prompt war man dann noch ausgebucht. Sehr hilfsbereit organisierte man mir per google maps und Telephon dann ein Zimmer im Hostel 74/6 das sich zu rund € 10 als Volltreffer erwies. Neu renoviert, sauber und mit funktionierenden Sanitärinstallationen, gab es noch eine süße Katze als Mitbewohner. Mit aufs Zimmer bekam ich dann am nächsten Tag noch einen Weißrussen, mit demselben BMI wie ich, der mich ungefragt, aber offensichtlich sachkundig über die Preise von „Frauen für eine Nacht“ in verschiedenen Städten informierte. Dazu kam später noch ein ungewöhnlich gut Englisch sprechender Japaner, mit ausnehmend gutem Humor.

Der Ort Kapchagai soll, seit einem ansonsten ergangenen landesweiten Glücksspielverbot (abgesehen von Sportwetten und Losen), als eines der „Spielerreservate“ zum „Las Vegas Zentralasiens“ ausgebaut werden. Heute gibt es dort knapp fünfzehn Kasinos. Hingefahren bin ich nicht.

Almaty
Metro 1 Rolltreppe  Notbremse Farkartenautomat Otto Post Berlin Bhf Nikolai 1 Niklai 2

richtung taschkent

Per Nachtbus ging es dann nach Shymkent. Geplante Anfahrt 18:00, um die Zeit fuhr man zur Tankstelle, dann wieder zurück, um geschlagene zwei Stunden lang Flachbildfernseher in jede noch freie Ecke zu laden. Der Fahrpreis ist gestaffelt. Je weiter hinten um so billiger. Die letzen Reihen kosten ein Drittel weniger als vorne.

Theoretisch fahren Kleinbusse die 120 km vom kasachischen Schymkent bis zum Grenzübergang, ich fand aber nur ein Taxi zum Ausländerpreis. Die restlichen 12 km lassen sich per Taxi (2014 pro Fahrzeug, bis 4 Pers., je nach Verhandlungsgeschick 20-40000 Som) zurücklegen. Deutlich unbequemer mit Gepäck ist die Fahrt mit Marschrutka 82 vom Norden Tashkents (Metro Buyuk Ipa Yoli, vomals "Maxim Gorki") zum Zentrum des Grenzortes, für die verbleibende Strecke gibt es einen Shuttlebus.