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Usbekistan

15. bis 24. Oktober

Währung (Schwarzmarkt): 1 € = 4000 Som; 1 US$ = 3120 Som
offizielles Existenzminimum (2011): 202000 S., Verdienst ø 600000 brutto, 400000 netto.
Karte des Ferghanatals.

Papierenes
Usbek Visum
Usbek Geld
Usbek Scheine
Alle Bilder können durch Anklicken, auch als Galerie, vergrößert werden.

willkommen – sie befinden sich in einem polizeistaat der feineren sorte

Regiert werden Sie von Islam Karimow, dem Ersten (Präsidenten von Usbakistan), wie an zahlreichen neu gebauten Monumenten zu lesen ist. Dabei sieht er sich, wohl nicht ganz frei von Cäsarenwahn, gerne als Nachfolger von Tamerlan (genannt Amir Timur in Usbekistan). Zur Erinnerung, das war der geistige Nachfahre von Dschingis Khan, der im 15. Jahrhundert mordend und sengend die Region so verwüsten ließ, daß wenig stand. Die Geschichte verfälschend baut man ihn zum nationalen Symbol als „Urvater der Usbeken“ auf, weil er ein Großreich begründete. Historisch ist das Unsinn, die Vorfahren der Usbeken kamen erst zweihundert Jahre später von irgendwo aus der Steppe auf die Bühne der Weltgeschichte – ebenfalls mordend und sengend.

Karimow, ein Relikt des sowjetischen Politbüros, regiert seit 1990 mit eiserner Hand. Besonders seit dem Andijan Massaker (Auf Wikipedia beschönigend „Unruhen in Usbekistan 2005“) mit mindestens 400 Toten (offiziell 9), geht man mit „Islamisten“ wenig zimperlich um. Das ist zwar an sich keine schlechte Idee, tolerant gegenüber anderen sind Moslems ja schließlich auch nicht, aber Häftlinge zu Tode zu kochen geht dann doch etwas weit. Bis zu ihrem Hinauswurf vom Luftwaffenstützpunkt liessen auch die Amis hier foltern. Dem britischen Botschafter Craig Murray (; Murder in Samarkand: a British Ambassador's controversial defiance of tyranny in the war on terror; Edinburgh (); 404 S.; ISBN 1845961943) wurde das ganze zu viel, er ging damit an die Weltpresse und wurde prompt – als der Politik des Vereinigten Königreichs abträglich – aus dem diplomatischen Dienst entlassen.

Weiterführend empfohlen seien die Zentralasien-Analysen (ISSN 1866-2110; Zentralasien-Analysen@dgo-online.org) der Universität Bremen. Speziell zur Wirtschaft und politischen Situation Usbekistans die Nummern 53 (25. Mai 2012) und 65 (7. Juni 2013). Und der Länderbericht Usbekistan 2014 von Amnesty International.
Reiseführer: ; Usbekistan: entlang der Seidenstraße nach Samarkand, Buchara und Chiwa; Berlin (Teschner); 287 S.; ISBN 9783897942516. [Schon nicht mehr ganz aktuell.]

Nun aber genug der Empörung, mir erging’s wie folgt:

taschkent

Der Grenzübergang bei der Hauptstadt Taschkent machte auf usbekischer Seite den Horrorgeschichten, die sich Reisende erzählen alle Ehre. Zwar ist er, wie viele der usbekischen Landgrenzen für Fahrzeugverkehr gesperrt (das liegt an den von Usbekistan gewollten schlechten Beziehungen zu fast allen Nachbarländern), zahlreiche Wanderarbeiter profitieren besonders während der Baumwollernte von den deutlich besseren Löhnen und Einkaufsmöglichkeiten im Nachbarland.
Die kasachische Seite ist noch vergleichsweise effizient organisiert. Der Zoll interessiert sich für Ausreisende kaum. Es war genug Betrieb um am Paßkontrollschalter etwa zwanzig Minuten anstehen zu müssen. Europäer mit vielen Stempeln im Paß sind immer noch eine Seltenheit, so daß man sich Zeit für ein kleines Verhör nimmt – Russisch spreche ich sowieso („russki njet!“) nicht und Englisch in solchen Situationen schon gar nicht.

Auf usbekischer Seite wird der Ton dann deutlich rauher. Die Abfertigung erfolgt nicht im Tempo einer Aldi-Kasse, eher schon wie am Postschalter. Neben mir in einer drängelnden Menge ein Russe, der um zehn Uhr früh eine Fahne hatte, daß man alleine vom einatmen schon angetrunken war. Er erwies sich aber als ziemlich zivil, wenn er sich auch öfter Mal an irgendwelchen Schultern festhielt. Eine Stunde später waren an den beiden offenen Schalter etwa zwanzig Personen abgefertigt. Hinein ins Zollgebäude, wo die Drängelei weiterging bis die Zolldeklaration in zweifacher Ausfertigung zwischen Bergen von Taschen und Koffern ausgefüllt waren. Zum eigentlichen Schalter wird man einzeln durch eine von einem Soldaten bewachte Sperre gelassen, der schon prüft, ob man die Formulare ausgefüllt hat. Nun war „Ivan, der Besoffene“ direkt vor mir. Er hielt dem Soldaten nuschelnd einen zerknüllten Zettel hin. Nun verstehe ich weder russisch, noch usbekishch, die Antwort war jedoch eindeutig: „Du besoffene Sau, schieb Dir den Wisch sonstwo hin. Schau, daß Du einen neuen, ordentlich ausgefüllten wieder bringst, und verpiß Dich jetzt, sofort! Dawai! Dawai!“ Der meinen Zettel prüfende Zöllner fragte auf Englisch dann noch ob ich zum Arbeiten käme. Auf mein “No jobs here,” mußte er dann doch grinsen. Nach Durchleuchten des Gepäcks ging's vergleichsweise schnell durch die hintere Tür.

Park 1 park 2 Decke 2 park 3

Die Geldwechsler beim Café am Ausgang haben natürlich noch nie von einem Bus nach Taschkent gehört. Tatsächlich muß man ein Marschrut zum Busbahnhof nehmen, von dort geht es dann mit Linie 82 in den Norden Tashkents (Metro „Buyuk Ipa Yoli,” vormals „Maxim Gorki”). Taxen lassen sich mit viel Geschick von 40000 auf 20000 Som herunterhandeln. Am Stadtrand erlebt man dann zum zweiten Mal den Polizeistaat am eigenen Leibe – man wird an einem Checkpoint, samt Wachtürmen und Bunker (“pillbox”) am Straßenrand angehalten. Diese Dinger gibt es im ganzen Land vor jeder größeren Fernstraßenkreuzung oder Ortsausgang und Provinzgrenzen.

Legal kann man in Usbekistan als Ausländer keine SIM-Karte erwerben, lediglich in den Hauptverwaltungen der Telephongesellschaften gibt es 10-Tage-Touristenkarten. Es findet sich aber im Basar durchaus jemand, der in seinem Namen eine Karte gegen Kommission kauft. In solchen Ländern muß man sich als prinzipiell gesetzestreuer Europäer erst dran gewöhnen, daß viel „Hintenrum“ geht und das auch noch vergleichsweise gefahrlos weil der Stand der Überwachungsmaschine, die in der BRD seit 1976 systematisch bis ins kleinste Detail ausgebaut wurde, einfach noch nicht so weit ist. Internetcafébetreiber dürfen nur solche Geräte bereitstellen, die keine Downloadmöglichkeiten (USB-Anschlüsse) haben. Das war insofern ärgerlich als ich meinen persönlichen Reiseführer gescannt auf dem Stick hatte, um Gewicht zu sparen. Ich habe mir sagen lassen, daß Seiten wie youtube oder facebook, bzw. alles was irgendwie „islamistisch“ oder regierungskritisch ist öfter ab- als freigeschaltet ist. (Das gilt auch für Tadjikistan und in etwas geringerem Umfang Kasachstan.) Vgl. Digital Freedom of Expression in Uzbekistan.

Die Stadt Taschkent ist weit auseinandergezogen, verfügt aber dank der noch im Ausbau befindlichen Metro (pro Fahrt 1000 S = 0,25 €) über ein brauchbares Nahverkehrssystem, das durch sechs Tramlinien ergänzt wird. Für ganz Usbekistan gilt in und für sämtliche Verkehrseinrichtungen Photographierverbot. Am letzten Tag mußte ich von meinem Handy dann tatsächlich auch das Bild eines Wandgemäldes in der U-Bahn löschen.

Metro Taschkent
Achtung Staatsgeheimnisse! Wer dies als Usbeke betrachtet wird blind (bzw. von den Ordnungskräften geblendet). Waggon Decke 1 Decke 2 Nikolai

Richtig lästig wird es erst wenn man U-Bahn fahren will. An jeder Treppe ins Zwischengeschoß steht ein Wächter, der (theoretisch) von allen Kommenden die Tragetaschen zu inspizieren hat. Vor der Rolltreppe zum Bahnsteig steht dann nochmal einer mit Scanner und Tischchen, um ggf. die Taschen und Personen zu durchleuchten und die Papiere zu kontrollieren. Als ich am zweiten Tag bis nachmittags um eins zum dritten Mal angehalten worden bin und diesmal ein den Abzeichen nach offensichtlich Höherrangiger wieder “Passport!” sagte, ist mir der Kragen geplatzt: Ich habe ihm in bestem Bayrisch erzählt was ich halte von ihm und seiner Kontrolle. Vollkommen baff, machte der erst einmal einen Schritt nach hinten. Nachdem er sich gefangen hatte, schimpfte er auf russisch zurück, ich gab ihm meine Paßkopie, die er dann nur kurz beäugte und ab durch die Mitte. Als ich dieses Anekdötchen abends meinen russischen Bekannten erzählte, war die Reaktion blankes Entsetzen. – Ein Einheimischer, der mit einem Ordnungshüter so redet hat mindestens einen unangenehmen Nachmittag auf der Wache zu erwarten. Komischerweise bin ich danach kein einziges Mal mehr angehalten worden, obwohl ich jeden Tag bestimmt acht bis zehn mal die U-Bahn benutzt habe.

Verschreckt von den Warnungen hinsichtlich der Registrierungspflicht für Ausländer (Beim Auswärtigen Amt liest sich das so: „Innerhalb von drei Tagen müssen sich Ausländer (ausgenommen Diplomaten) beim UVViOG (Verwaltung für Ein-/Ausreise und Staatsbürgerschaft, ehemals OViR) des jeweiligen Stadtbezirks anmelden. Bei einem Hotelaufenthalt übernimmt das Hotel die Registrierung. Bitte beachten Sie, dass bei Einreise mit einem Touristenvisum eine Registrierung nur über Hotels erfolgen kann. Sofern Sie anderweitig, z.B. bei Familienangehörigen oder Bekannten unterkommen möchten, muss Ihr Gastgeber vor der Visabeantragung seine Einladung beim UVViOG zur Beglaubigung vorlegen. Der Einlader muss anschließend die Einladung bei der Konsularabteilung des usbekischen Außenministeriums vorlegen. … Im August 2012 wurden die Bestimmungen über Einreise und Aufenthalt dahingehend verschärft, dass ein Ausländer bei Verletzung der Aufenthaltsbestimmungen abgeschoben werden kann mit der Folge einer Einreiseverweigerung von einem bis drei Jahre. Als Verletzung des Aufenthaltsrechts gelten hierbei ein Aufenthalt ohne bzw. mit ungültig gewordener Aufenthaltserlaubnis sowie die Nichteinhaltung der Bestimmungen über die Registrierung bei vorübergehenden oder längerfristigen Aufenthalten. Einzelreisende, die sich ohne hinreichende Orts- und Sprachkenntnisse (russisch/ usbekisch) nach Usbekistan begeben und mit einem Touristenvisum einreisen oder ihren Aufenthalt vor Ort verlängern möchten, müssen aufgrund der strikten Vorschriften für die Einreise und den Aufenthalt des öfteren mit Schwierigkeiten rechnen, … Bereits minimale Überschreitungen gültiger Visa ohne rechtzeitige Verlängerung … führen bereits zur Ausweisung mit erheblichen Einschränkungen der Bewegungsfreiheit unter Einbehaltung des Reisepasses. Im Regelfall wird eine hohe Verwaltungsstrafe verhängt, und es muss mit einem Verbot der erneuten Einreise gerechnet werden. … Der Registrierungsbeleg ist Voraussetzung für die Buchung von Flügen bzw. Fahrkarten für Reisen im Landesinneren und muss bei der Ausreise vorgelegt werden. Die Einhaltung der melderechtlichen Vorschriften wird von den zuständigen usbekischen Behörden erfahrungsgemäß genauestens überprüft. Die Mindeststrafe bei Missachtung der Vorschriften beträgt ca. 700,- €.“ von: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/UsbekistanSicherheit.html 2014-11-19) – offiziell ist jedes private Übernachten verboten – stieg ich im Mirzo B&B ab – wieder so eine mißratene Empfehlung eines bestimmten Reiseführers aus der englischsprachigen Welt. Für örtliche Verhältnisse überteuert, mit selten warmen Duschen. Mit angeschlossenem Reisebüro verdient der etwas halbseidene Betreiber gerne durch schlechten Wechselkurs und überhöhte Gebühren.
Am nächsten Tag zog ich dann in das deutlich besser geführte, billigere Gulnaras Guesthouse um. Das Frühstück war inklusive. Ein hübscher Hinterhof bestückt mit Sofas und Tischen machte den Aufenthalt erträglich.

Das Wochenende verbrachte ich dann als Couchsurfer bei einem Russen, wobei ich tiefere Einsichten in usbekische Verhältnisse gewann. Details hierzu und Photos im Abschnitt » Persönliches (kennwortgeschützt).

Der Bahnhof Tashkent Vokzal, hieß bis zur Schließung des südlichen Yuzhni Vokzal, Severnay Vokzal („Nordbahnhof“). Er liegt sinnigerweise südlich der Neustadt am Ende der Tashkent St. Der Zugang zum weiträumig abgeperrten Bahnhofsgebäude ist nur nach genauem Sicherheits-, Fahrkarten- und Paßcheck möglich. Nicht ganz so streng ist man am Busbahnhof, wo man nur durch einen Scanner muß. „Aus Sicherheitsgründen“ besteht im Lande ein Nachtfahrverbot für Busse. Das bedeutet bei den Riesenentfernungen, daß nur frühmorgens Busse abfahren. Die Fahrtdauer von Taschkent nach Samarkand beträgt ca. 4–5 Stunden, für eine Strecke von 290 km. „Raststätten mit sanitärer Infrastruktur sind unbekannt.“ (Auswärtiges Amt)

Beim Bahnhof gibt es ein Eisenbahnmuseum. Ich bin da kein Experte, aber wen die Photos sowjetischer Loks interessieren, für den habe ich etliche auf einer eigenen Seite zusammengestellt: » Eisenbahnmuseum Taschkent.

Samarkand

Samarkand ist das nationale Vorzeigeobjekt Usbekistans, die historischen Stätten wurden aufwendig mit ausländischer Hilfe restauriert. Dabei hat die UNESCO als sie die unhistorisch restaurierten Medressen und Mausoleen in ihre Weltkulturerbeliste aufgenommen hat, ganz offensichtlich dem Druck des Diktators nachgegeben und ihre strengen Vorgaben bezüglich der Historizität aufgeweicht. Praktisch alle alten Bauten, stammen ursprünlich aus der Zeit nach den Mongolenstürmen, auch wenn Samarkand auf eine viel längere Geschichte zurückblickt. Selbst die im 15. bis 17. Jahrhundert errichteten Bauten waren unter den grausamen, sklavenhaltenden Sultanen (So gesehn könnte man sagen, daß die Barabarei der Karimov-Diktatur im Lande so ungewöhnlich nicht ist. Siehe hierzu: Encyclopaedia Iranica: CENTRAL ASIA In the 18th-19th Centuries) bei der Eroberung durch Rußland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vollkommen verfallen. Islamische Herrscher hatten keinerlei Sinn für Geschichte oder Kunst. Erst zu Zeiten der Sowjetunion, auch infolge der verstärkten Zuwanderung in die zentralasiatischen Republiken ab 1941, wurde am Stadtbild viel verbessert.

Timuriden-Mausoleum
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Zur Grenze Abfertigung Fries Minarett Kuppel

Bei den Hauptsehenswürdigkeiten – überall in Usbekistan – besteht eine dreistufige Diskriminierung bezüglich der Eintrittspreise, abhängig von Aussehen und den Sprachkenntnissen der Besucher. Dabei gilt grob, daß der Grundpreis für Usbeken mit 3–4 multipliziert für Gäste mit asiatischem Aussehen gilt, das zehnfache verlangt man von nicht-russischen Europäern, denen man gerne dieselbe Summe noch einmal für eine „Photoerlaubnis” abnimmt. Angesichts derartiger Praktiken sollte man sich nicht scheuen kostenfreie Schleichwege zu benutzen. Die Eintrittskarten werden nach der Kasse nicht mehr kontrolliert. In den Registan gelangt man durch ein hölzernes Tor von hinten zwischen Ulugbek- und Tilya-Kori-Madrasa. In das Timur Mausoleum gelangt man umsonst durch zielloses Wandern im Gelände, dann in den Bau durch die rückwärtige Tür.
Nun gibt es tatsächlich Touristen, die besagte Wegelagerei gerechtfertigt finden im Sinne von „wir können es uns eben leisten” oder „was würde das bei uns kosten?“ Genau hier liegt aber der springende Punkt: diese Denkmäler sind nicht „bei uns,“ auch entspricht die gebotene Qualität nicht europäischem Standard, das Personal wird ebensowenig auf europäischem Niveau bezahlt. Gutmenschen, die wie oben argumentieren wären überings die ersten, die laut „Diskriminierung!“ schreien würden, sollte man für ein deutsches Museum Preise per Gesichtskontrolle einführen: Sagen wir mal das Hundertfache für Inder, weil die es beim Taj Mahal mit Weißen auch so machen, oder das Zweihundertfache für Personen mit großer Nase, Brille und glänzendem, gewelltem Haar, weil „die Juden eh alle reich sind“ !?

Siehe hiezu: 1) Uzbekistan? Overchargistan! 2) Harassment and bribes at Uzbek customs and border controls; 3 ) Alles Wodka beim Sowjet!

Registan
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Tür Kunstmuseum Tür Innenhof Mauer Kuppel

Hinweis zu den Photos: Nicht alle schiefen Türme sind der schlechten Aufnahmequalität des Handys geschuldet, oder „stürzende Linien.“ Etliche der gezeigten Bauten sind wirklich aus dem Winkel.


Registan


Registan-Ensemble vom Park im Osten.

Der Registan ist eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Samarkand. Er wurde zum wichtigsten Platz der Stadt, nachdem das Leben in Afrosyab zum Erliegen kam. Er wurde mehrere Male umgebaut. Heute stehen dort drei ehemalige Medressen (Koranschulen). Zu Beginn der 1980er Jahre wurde er historisierend dem Niveau des Platzes im 16. Jahrhunderts angepasst. Das Innere ist einem solchen Ort vollkommen unangemessen zu einer Art Touristenkitsch-Einkaufszentrum umgestaltet worden. Die ehemaligen Zellen der Koranschüler beherbergen fast alle Verkaufsbuden, die keine Preise auszeichnen. Ein fairer Preis dürfte für Europäer bei etwa einem Zehntel der anfänglichen Händlerforderung liegen.

In Samarkand gibt es noch mehr Moscheen, z. B. die Juma- bzw. Bibi-Khanum-Moschee oder den alten Stadtkern mit der Ulubeg-Sternwarte zu besichtigen. Vom Stil unterscheiden sie sich kaum vom gezeigten. Deshalb keine Photos. Zumindest mein Blaue-Kacheln-Tick (Bilder), den ich seit einer Klassenfahrt zum berliner Pergamonmuseum habe, wurde ausgiebig bedient.

Meine Unterkunft, „Bahodir B&B,“ 132 Mullokandova St. (Mit dem Gesicht zum Registan-Haupteingang, ca. 50 m nach rechts zum breiten Fußweg, 150 m durch den Park, an der ersten Weggabelung (vor der Eisdiele) rechts, etwa 30 m auf der linken Straßenseite), erwies sich als Glückstreffer, die Preise im Schlafsaal von US$ 10 bzw. Einzeln im Dreibett für $ 15 gehen in Ordnung, wobei ich mir den Luxus eines Einzelzimmers gönnte, alleine schon weil die Gemeinschaftsdusche so toll nicht war. Freundlicher Familienbetrieb mit gemütlichem Innenhof, inkl. reichhaltigem Frühstück. Sehr beliebt bei Franzosen und Japanern.

Den ursprünglich geplanten Abstecher nach Nord-Usbekistan, über Urgench (ca. 700 km) nach Khiva, das von dort 35 km entfernt ist und durch seine erhaltene belebte Altstadt sehenswert ist habe ich mir aus Zeitgründen aufgrund der verkürzten Reisedauer gespart. Ebenso die Weiterfahrt ins nördlich davon gelegene Nukus, das wegen seines Igor-Savitsky-Kunstmuseums verbotener Sowjetkunst interessant gewesen wäre. Von dort hätte man dann einen Tagesausflug ins 220 km entfernte Moynaq zum ehemaligen Ufer des Aralsees, samt seinem Schiffsfriedhof machen können. Es sei daran erinnert, daß die ökologische Katastrophe der Verwüstung (im wahrsten Sinne des Wortes) ausschließlich vom Menschen verursacht ist. Man könnte den See innerhalb 6–7 Jahren wieder auf sein altes Niveau auffüllen, wenn nur Kasachstan und noch mehr Usbekistan auf Baumwollanbau und die damit einhergehende Bewässerung verzichten würden. Gerade in Usbekistan ist der Baumwollanbau noch fest in staatlicher Hand, die Ernteerlöse decken etwa ein Drittel der Staatseinnahmen. Dabei erfolgt die Ernte meist von Hand durch sonst andrerseits im Staatsdienst stehende als eine Art von Frondienst (Siehe: Forced labour in Uzbekistan: In the land of cotton; The Economist. 2013-10-16 ). Sie werden ebenso wie viele Schulkinder ab zehn Jahren „aufs Land verschickt“ und nach Menge so schlecht bezahlt, daß sie für den Aufenthalt noch Geld mitbringen müssen (So etwas erzählen Usbeken aber Ausländern nur in ihrer Privatwohnung nach ein paar Tropfen …).
Auch nach Shakhrizabz, das, wenn auf der Straße nach Termiz fährt, am Weg gelegen hätte bin ich nicht gefahren, nachdem mehrere Besucher die dort gewesen waren wegen großflächiger Bautätigkeit im Berich des touristsisch interessanten Teils abgeraten hatten. Stattdessen kam ich endlich zum Zugfahren, per Liegewagen 3. Klasse (russ.: „platzkart“). Klassische Sowjetbreitspurwagen mit vier Liegen im offenen Abteil. Beim Fahrkartenkauf ist der Paß vorzulegen, dessen Nummer beim Einsteigen mit der auf der Fahrkarte eingetragenen verglichen wird. Der provodnik war von der üblichen säuerlichen Sorte, aber einigermaßen effizient.

Bahodir B&B
Weitere Photos im Abschnitt » Persönliches (kennwortgeschützt)
Innenhof Kunstmuseum Ludwig II

Nach Termiz sind es rund 390 km auf der Straße. Die Bahnstrecke, die einen gewaltigen Schlenkerer über Qarshi macht, ist deutlich länger. Dabei ist bedauerlich, daß das einzige Zugpaar nur nachts verkehrt, die Strecke führt durch einige sehr interessante, leere, wüstenähnliche gebirgige Landschaften. Ankunft war nach knapp elf Stunden mit weniger als zehn Minuten Verpätung, morgens um 9.

termiz

Ausnahmsweise erwies sich das Hotel Surxon, als abzockefreie Unterkunft, mit 35000 Som (€ 9) auf jeden Fall sein Geld wert. Abgesehen von den landestypischen Problemen bei der Sanitärinstallation ein wirklich ordentliches, gut ausgestattetes Haus, auch mit Klimaanlagen, Massagen, Fitnessraum, Buffett und Friseur. 2014 wohl das beste Preis-Leistungsverhältnis am Ort, sah es von außen deulich teuerer aus. Wird gerne tagsüber von ortsansässigen Pärchen zur Ausübung des vorehelichen Geschlechtsverkehrs genutzt, was man bei den dünnen Türen sehr deutlich hören kann.

Termiz-Stadt
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Museum Springbrunnen Denkmal
Papierkorb

Ganz anders liegt die Sache beim 2002 – auf Anordnung von Kumarov, dem Ersten (Präsidenten Usbekistan) – gegründeten Archäologischen Museum, hier ist der Ausländer-Wucherpreis: 20000 S., während Einheimische nur fünfhundert bezahlen. In der antiken Stadt, 6 km vom modernen Stadtkern, dessen Hauptachse die Al-Termizi St. ist, gibt es einige freigelegte Ruinen eines buddhistischen Klosters aus den ersten Jahrhunderten u. Z. Wegen unmittelbarer Nähe zum Grenzzaun liegt ein Großteil im Sperrgebiet, die Ausgrabungen selbst dauern noch an.

Der angenehm schattige, große Stadtpark bietet außer den üblichen sowjetzeitlichen Attraktionen – rostige Karussels usw. noch einen im Winter abgelassenen großen künstlichen Badesee mit Wasserrutsche, der im Sommer sicher hochwillkommen ist. Der Ort gilt als der heißeste Usbekistans, die gemessenen Höchsttemperaturen für Juni bis August erreichten 50 °C, der Durchschnitts-Tageshöchstwert liegt dann bei 38–39,7 °C

grenzübergang haimartan


„Letzter Schnapsladen vor Afghanistan …“ steht zwar nicht dran, könnte aber stimmen. Schade nur, daß der usbekische Zoll jegliche Ausfuhr von Alkohol unterbindet.

Zum Grenzposten geht es wieder nur per Wuchertaxi, die örtlichen Marschrutkas sind sämtlich Isuzu-Kleinbusse in denen absolut kein Platz für Gepäck ist. Das Prozedere bei der Abfertigung habe ich auf wikivoyage beschrieben. Dabei muß ich aber noch anmerken, daß ich bei der Ausreise wenig Probleme hatte, obwohl die usbekischen Zöllner hier berüchtigt sind. Das lag sicherlich daran, daß mir zum ersten Mal das hinten in den Paß eingelegte „Hitlerbild“ half. (Zwischenbemerkung: Ich habe persönlich mit Adi bekanntermaßen nichts am Hut, beherzige aber den aus den 1970er stammenden Rat der Därr’s – das Ehepaar Därr waren deutsche VW-Bus Pioniere die die Sahara durchquerten und Asien bereisten, Bücher darüber schrieben und einen lange berühmten Ausrüsterladen in der Theresienstraße in München betrieben – nämlich bei Reisen in muslimische Länder ein Hitlerbild hinter die Windschutzscheibe zu klemmen.) Nachdem der Zöllner besagtes Bildchen entdeckt hatte, folgte die überall in Region zu hörende Begeisterung für ein starkes Deutschland: meist kennt man den FC Bayern, Mercedes, Hitler und immer öfter leider auch „Frau Merkel,“ die wegen ihrer Wirtschaftpolitik Ansehen genießt – etwas, daß mich ,vollkommen alternativlos, ein Stück weit betroffen macht.’

Für die eifrig gesammelten Registrierungsbescheinigungen hat sich der Zöllner dann nicht interessiert. Die ortsübliche Leibesvisitation, von der man hört, daß sie sich durchaus auf alle Körperöffnungen erstrecken kann, war bei mir ein oberflächliches Abtasten der Jacke. Lediglich die Flasche Wodka mußte ich ausschütten, nachdem ich noch einen kräftigen Schluck genommen hatte, weil: “Islamic Republic in Afghanistan.” Auch das Zollformular wurde blind abgestempelt. Den Ausreisestempel in den Paß gab es nach kurzer Wartezeit, dann folgte der Fußmarsch über die auf usbekischer Seite gut abgesicherte „Freundschaftsbrücke.“ Erbaut worden war die von der Sowjetunion, als sie ab 1979 ihre unverbrüchliche Freundschaft mit den Afghanen zeigte. Die Amis – vom Usbekbashi 2004 hinausgeworfen nachdem sie es gewagt hatten ein Massaker an 400 Zivilisten zu kritisieren – und die deutsche Luftwaffe, die am Flughafen Termiz stationiert war, nutzte sie zum Bau einer Bahnstrecke zur Versorgung der Besatzungstruppen.

Afghanisch-usbekische Freundschaftsbrücke
Zur Grenze Abfertigung  Brücke 1 Brücke 2

Die Beschreibung meines Transits durch Usbekistan von Khujand nach Kirgisien ein paar Wochen später findet sich am Ende des Abschnitts » Tadjikistan.