Route: » Kirgisien » Kasachstan » Usbekistan » Afghanistan » Tadjikistan » Kirgisien

Sonstiges: » Essen &Trinken » Eisenbahnmuseum » Kurioses » Persönliches

Tadjikistan

31. Oktober bis 5. November

Währung: 1 € = 6,8–7 Somomi (unterteilt in 100 Dirham)

Papierenes
Alle Bilder können durch Anklicken, auch als Galerie, vergrößert werden.

Tajik Visum
Tajik GeldTajik Scheine
Pamir HW
Der Pamir Highway vor Khorog.

Auch für die Fahrt in Tadjikistan habe ich, diesmal aus Witterungsgründen, meine an sich eh schon unbestimmten Pläne geändert. Siehe dazu auf der Routenkarte die „möglichen Pläne im Pamir,“ wo verschiedene Strecken von Kundus über Faizabad entlang des Pamir Highway (aufgrund der Höhe der Strecke ein „High way“ im wahrsten Sinne des Wortes) ins kirgisische Osh, angedeutet sind. Die Route geht durch die Hochgebirgsregion Badakchan (kurz: GBAO). Diese umfaßt 45% des Staatsgebiets aber nur drei Prozent der Einwohner des Landes. Nicht nur Ausländer brauchen eine Sondererlaubnis, auch Tadjiken dürfen in das hauptsächlich von ismaelitischen Moslems (Ismaeliten sind eine muslimische Sekte, die ohne Moscheen und Imame auskommt. Sie verehren ihren spirituellen Führer, den Aga Khan, wie einen Gott und liefern einen wesentlichen Teil ihres Einkommens an ihn ab. Von den Engländern als indischer Fürst anerkannt, leben diese Herren seit einigen Generationen in Europa auf großem Fuß als Teil des Jetset, wie den Lesern jener „gelber Blätter,“ die in Ärztewartezimmern ausliegen seit den 1960ern hinreichend durch die „Begum“ bekannt sein dürfte. Ab und zu fallen ein paar Brosamen für die Gläubigen ab. Man leistete Hungerhilfe in der Region, bezuschußte auch Krankenstationen und Schulen und spricht laut darüber, wie es sich für Wohltätigkeit schließlich gehört.) bewohnte Gebiet, das in den späten 1990ern unter akuter Hungersnot litt, nur mit Genehmigung einreisen. Diesen Stempel bekommt man in Europa kostenlos auf Antrag zum Visum, in Zentralasien (z. B. Bishkek) sind US$ 90 fällig, ohne daß der Erfolg sicher ist. Eine Beantragung in Dushanbe soll noch komplizierter sein. Wenn man im Internet schaut findet man zahlreiche Blogs von Extrem-Radlern, die sich diese Schotterpiste auf 3–4000 Metern antun.
Nun hat man mir gesagt, daß die kürzeste Strecke, durch grandiose Landschaft, von Kundus über Faizabad nach Khorog ab Ende September verschneit sein kann, außerdem hätte ich wohl alleine einen Jeep für US$ 3–400 anheuern müssen. Alternativ hätte man von Faizabad den ganz im Süden Tadjikistan liegenden Grenzort Ishkarshim erreichen können, auch diese Strecke ist ab Oktober verschneit und wohl nur mit Privatwagen befahrbar. In Tadjikistan gibt es nur einen wöchentlich auf dieser Strecke verkehrenden Bus, ich hätte wohl die 3–4 Tage nach Osh per Anhalter versuchen müssen. Im frühen Winter auf 3000+ m mit entsprechenden Nachttemperaturen keine ermutigende Aussicht.
Auch der Weg durch das tadjikische Kulyab, wenn auch bis Khorog wohl noch schneefrei, hätte einen Privatwagen nötig gemacht.

dushanbe

Stadtplan
Dushanbe
DushanbeVormals welthöchster Fahnenmast, Somomi-Denkmal, neuer Präsidentenpalast und Adler im Zentralpark von Dushanbe.

Aussprachehinweis: Den Namen der Hauptstadt Dushanbé (Душанбе) betont man auf dem endenden e. Das dj im Landesnamen bezeichnet den stimmhaften alveolaren Frikativ (ʑ) – laienhaft: „dsch.“

Unter der Bevölkerung ist das aus dem ländlichen Raum, während des Bürgerkriegs – anstelle der geflohenen russischstämmigen Intelligentsia – zugewanderte Element in seinen Sitten und Gebräuchen sehr offensichtlich. Eine eiserne Regel im Straßenverkehr ist: Für Fußgänger wird nicht gebremst! Ansonsten sind Ampeln und Geschwindigkeitsbegrenzungen allenfalls Empfehlungen. Man wird sowieso regelmäßig von der Verkehrspolizei herausgewunken und darf für „Verstöße“ bar und ohne Quittung im Schnitt 20 Som. abliefern.

Praktisch alle touristisch interessanten Orte befinden sich im Umfeld der zentralen Nord-Süd-Achse Rudaki Prospekt, südlich des ehemaligen Kaufhauses Tschum. Ganz in der Nähe wohnt auch mein Couchsurfing-Gastgeber. Eigentlich sollte ich nichts schlechtes sagen, da er mich drei Tage untergebracht hat, daher nur soviel: „Der Herrgott hat einen großen Tiergarten.“ D. ist ein New Yorker Jude, was er beides sehr deutlich heraushängen läßt und als Mitarbeiter der amerikanischen Handelskammer ein äußerst typischer Vertreter der unangenehmsten Sorte Amerikaner. Nebenbei ist er noch Rassist, voller Verachtung des Volkes in dessen Mitte er seit sieben Jahren lebt. Eine ungepflegte Erscheinung, der seine Wochenenden mit amerikanischem College-Football vor der Glotze verbringt ist er gleichzeitig zu faul eine Glühbirne zu wechseln – dafür läßt er den Hausmeister kommen. Ich hatte das „Vergnügen“ zwei Telephonate mit seiner Sekretärin mithören zu können – mit so einem bläffenden Chef aus der Hölle würde ich es keine zwei Tage aushalten. (Zwischenbemerkung: Ich bin mir durchaus bewußt, daß es aus Gründen „politischer Korrektheit“ strengstens verboten ist auch nur ein schlechtes Sterbenswörtchen über Personen mosaischen Glaubens zu sagen, diese sind von Natur aus perfekt und unantastbar … Ich habe mich bei Vorstehenden daher extrem zurückgehalten.) Ich habe ihm gerne zu Weiterbildungszwecken den zweisprachigen Koran aus Kundus überlassen.

Durch das relativ kompakte Dushanbe konnte ich nur am ersten Tag schlendern. Ab Tag zwei goß es in Strömen auch tat der „Döner des Todes“ seine Wirkung. Am Abend vorher traf ich mich dann noch mit C., einem deutschen Entwicklungshelfer, der seit einigen Monaten versucht ein System von Immobilienfinanzierungen im Lande aufzubauen. In der Expat-Kneipe Public Pub probierte ich dann das “local Weißbier” (so auf der Karte), das wie ein sehr säuerliches Pils schmeckt.

Ansichten von Dushanbé
Somoni 1 Somoni 2 Somoni Achse Tajikbashi Neubauten im Bau Wohnstraße Berge Müll

Nach Khujand (Хуҷанд) gelangt man vom Cemzavod Avtovokzal („Zementfabrik-Busstation“) am Ende einer O-Buslinie am Nordende der Rudaki Ave. Vollgepumpt mit Kohletabletten (viel das aus meinem Magen hätte kommen können war nach zwei Tagen „Montezumas Rache“ nicht mehr drin) ließ ich mich von einem Opel Vectra-Fahrer zu einem vernünftigen Preis kapern, dabei nicht bedenkend, daß Bayern 3 bei solchem Wetter Anfang November gerne „in höheren Lagen Schnee“ im Verkehrsfunk durchgeben würde. Dazu kam dann, daß ein Vectra über Frontantrieb verfügt und mein Fahrer nur über Sommerreifen. Irgendwann haben wir dann die Kiste den Berg hinaufgeschoben, bis ein Schneepflug kam.
Immerhin habe ich auf der Strecke von meinen Mitfahrern zwei weitere Worte russisch gelernt: 1) „prrroblèm“ angesichts der Schneedecke und 2) an den Mautstellen: „Schlagbaum“ – Russisch ist doch gar nicht so schwer! Immerhin war die Strecke, von einem chinesischen Betreiber ausgebaut und auf etliche Jahre kostenpflichtig betrieben, in einem Zustand wie man es auch von einer Staatsstraße im hinteren bayerischen Wald erwarten kann. Man fährt dabei durch einige sehr wilde, lange und unbeleuchtete Tunnel in einer sehr armen Gebirgsregionen. In einem Dorf sah ich ein Schild zum Stützpunkt der „Welthungerhilfe.“

khujand

Gelandet bin ich nach einer Stunde umherirren in der Absteige Shark „Hotel,“ der Empfehlung des einzigen internationalen Reiseführers der Region, im gleichnamigen grün-gelben Gebäude beim Basar, kenntlich am Lenin/Stalin-Medallion von 1954 an der Fassade. Es gibt keinerlei Beschilderung aber das Bett für 15 TJS (US$ 3). Man bekommt die Qualität, die man bezahlt: Gemeinschaftstoilette mit drei Plumpsklos ohne Türen daran und kein fließend Wasser. Uraltbetten und ungewaschene Bezüge, was man angesichts der schwachen Funzel im Zimmer zum Glück nicht erkennt. Ich habe mir den „Luxus“ gegönnt ein 3-Bett-Zimmer für mich alleine zu buchen. Dafür gab es dann wenigstens einen Schlüssel. Zum Duschen muß die entsprechende Anlage in der öffentlichen Toilette des Basars benutzt werden (8:00-18:00, 5 TJS). Über deren Zustand schweigt der feine Mann, immerhin war das Wasser warm. Der Betreiber des „Hotels“ spricht rudimentäres Englisch, kann aber keinerlei Auskunft zum Ort geben. Die Betten erwiesen sich als so durchhängend und kurz, daß ich die Nacht freiwillig am Boden geschlafen habe. – Vielleicht werde ich einfach nur alt, aber inzwischen habe ich doch gewisse Ansprüche hinsichtlich der Qualität von Unterkünften …

Khujand
Kriegerdenkmal Sharq Bau Klo
Registan Absteige

Nachdem ich am weit außerhalb liegenden Bahnhof geklärt hatte, daß keine Züge nach Kirgisien fahren, entschloß ich mich am nächsten Morgen in den saueren Apfel zu beißen, zum nochmaligen:

transit durch usbekistan

Per Marschrutka ging es zunächst die sechzig Kilometer nach Kanibodam, von der dortigen Busstation dann weiter zur Grenze. Diese ist, aufgrund usbekischer Schikanen – Tadjikistan mag man als „islamisch“ noch weniger als seine anderen Nachbarn – für den Autoverkehr gesperrt (ob dies auch für ausländische Kfz gilt kann ich nicht sagen), auch passiert ansonsten nicht viel.
Zunächst hieß es beim tadjikischen Vorposten eine halbe Stunde rumstehen, bevor der heilige Boden des Grenzübergangs überhaupt betreten werden durfte. Der Zoll interessierte sich nicht für mich. Der Grenzer in einem Kabuff an dem ein Aufkleber informiert, daß es aus EU-Steuermitteln finanziert ist, war dann mit meinem Paß gut zehn Minuten im Ein-Finger-Suchsystem damit beschäftigt die Daten in den Computer zu tippen. Nun hatte ich mir nicht die Mühe gemacht innerhalb der vorgeschrieben drei Tage mich beim KGB (heißt heutzutage OVIR) in Dushanbe anzumelden, was zwar für Touristen bis 30 Tage nicht mehr nötig ist – die Erleichterung scheint aber nur für Tourgruppen gelten, bei „Privatreisen“ aber nicht. Das fehlende Stück Papier fiel den jungen Grenzer erst dann auf, als er mich schon ausgestempelt hatte. Ein überzeugend vorgebrachtes „Touristy, registratio njet!“ war dann genug ihn einzuschüchtern.

Die usbekische Seite, von der man hört, daß sich die Zöllnern schon mal drei Stunden Zeit nehmen um alle Bilder auf einem Laptop anzusehen, begrüßte mich erst einmal der „Feldscher“ – noch so ein schönes russisches Wort – zum Fieber messen von wegen Ebola und so …
Weiter zum Zoll, wo es überraschenderweise das zweifach auzufüllende Formular auf Anforderung sogar auf Englisch gab. Im mit Bollerofen geheizten Häuschen lief ein Großbildschirm mit einer usbekischen Soapopera auf voller Lautstärke. Die bearbeitende Zöllnerin, gut Englisch sprechend, war mit dem Zettel in zwei Minuten fertig. Mit den Männern folgte dann das übliche Gespräch: „Aus Minschen? – ah, FC Bayern,“ dann „BMW,“ „Mercedes gutt“ und „Frau Merkel“ … Das übliche Geld vorzählen entfiel. Rucksack halb auspacken mußte ich dann doch, es folgte die Frage nach “notebook” – ich zog meinen Taschenkalender heraus, ganz klar ein „Notizbuch.“ Nachdem die Sprachverwirrung unter gemeinsamen Lachen geklärt war, konnte ich wieder einpacken – die Photos vom Handy brauchte ich nicht vorzeigen und ein Islamist war ich trotz Bart wohl auch nicht. Der ganze Vorgang hat keine fünf Minuten gedauert.
Etwas länger dauerte es am Paßschalter. Nicht nur weil wieder im Adlersystem getippt wurde, sondern der Strom ausfiel und drei Usbeken eine halbe Stunde brauchen, die Sicherung die hinten an der Wand gut sichtbar ist zu finden und wieder hineinzudrücken …
Ins nächste Dorf ging es dann per Kleinbus dessen Fahrer keine tadjikischen Somoni wollte. Der Preis für die Einheimischen war 2000 usbek. Som. Von mir verlangte er erst 3000, als ich meine kleinen Dollarscheine sah frech nach dem 5er (15500 S.) greifend, wurde die Szene schnell ungemütlich, so daß ich ihm 2 $ in die Hand drückte nur um ihn loszuwerden. Inzwischen vorm Basar von den Schwarzgeldwechlern umlagert – es ist immer wieder erstaunlich welche Hektik Leute, die sonst den ganzen Tag nur faul herumstehen, auf einmal verbreiten können. Bei der Umrechnung von Somoni über Euro zu Som habe ich dann einen Fehler gemacht und mich selbst um 20% beschissen. Egal, viel war es nicht. Mit 65000 S. in 500er-Scheinen ausgestattet fuhr mich ein Bursche für vernünftige 15000 S. flott fünfzig Kilometer nach Kokand. Von dort weiter im Sammeltaxi, mit dem bereits erwähnten einzigen anständigen Taxler, den ich in sechs Wochen getroffen habe, für 4000 S. (auf dem Vordersitz!) neunzig Kilometer nach Namagan. Er setzte mich nicht nur an der richtigen Abfahrtstelle ab, sondern verhandelte dann noch ordentlich mit dem Anschlußfahrer nach Uchkurgon, dem letzten Ort vor der kirgisischen Grenze bei Shamaldy-Say. Zum Übergang brachte mich dann ein Marschrut mit zwei besoffenen Russen, die vom Ausländer so begeistert waren, daß sie nicht nur die Fahrt zahlten, sondern unbedingt noch Photos wollten.

Fernfahrerhotel
Kriegerdenkmal
Sharq Bau

Weiter mit dem alten Spiel. Der Soldat als Vorposten funkt Paßdaten durch, das Tor wird geöffnet. Man steht am usbekischen Zoll. Die dritte Ausfertigung des Zollformulars abgeben. Der Vergleich mit dem Einreiseformular zeigt einen Geldverbrauch von nur $ 2 und 150 sonomi (€ 20). „Sie waren nur wie lange in Usbekistan?” „Transit: Sechs Stunden.“ „Von Kanibodam in sechs Stunden. Geht das?“ „Du Germanski? Not bike??“ Vor der Gepäckkontrolle standen ein paar Leute, also erst zum Fenster mit der Paßkontrolle. Gerade als meiner auf den Scanner gelegt wird – Stromausfall! Das Personal verschwindet erst Mal im Dunkeln, nur die pingelige Gepäckkontrolleuse macht mit Taschenlampe weiter und findet bei einem Usbeken doch glatt 300 nicht deklarierte weißrussische Rubel (ein Pfennigbetrag). Großes Geschrei, Abgang Zöllnerin, samt corpus delicti.
Nach einer knappen Dreiviertelstunde im Finstern ward es wieder Licht, mein Paß als erster dran, ausgestempelt und ab durch die Mitte, bevor die keifende Zöllnerin Zeit hatte wieder aufzutauchen. Noch ein kurzes englisches Gepräch mit dem Soldaten am großen Ausgangstor, das man mir öffnet und – ich stehe auf einem mondbeschienenen Feldweg im Nirgendwo. Etwa einen Kilometer weit kein Anzeichen eines kirgisischen Postens. Erst bei der Hauptstraße rechts ein leeres Häuschen und ein beleuchteter Bauwagen. Der ganze Trupp sitzt gerade beim Abendessen. Ich werde hineingebeten, muß Plow mitessen, bekomme auch Kumis vorgesetzt (» Essen & Trinken) überraschenderweise hat mein immer noch angeknackster Magen das extrem fettige erste Essen nach drei Tagen drinnen behalten. Dazu: „Germani? – Mercedes gutt!“ usw. Irgendwann steht ein junger Grenzer auf, nimmt meinen Paß und bringt ihn gestempelt zurück.
Der Chef läßt es sich dann nicht nehmen, mir am Rande der Hauptstraße ein Auto für die Fahrt ins zehn Kilometer entfernte Hotel herauszuwinken.

Am nächsten Morgen ging es zurück nach Bischkek.

weiter durch Kirgisien»

oder zum Essen»