Tempel

Leserbrief
(Bangkok Post 4.12.2011)
Zu diesem Brief biete ich dem geneigten Leser ein Preisausschreiben (jedes Los gewinnt!)

Tempel, auf thai „Wat“ gibt es in Thailand knapp 5000, fast alle gehören zur Theravada-Tradition, deren Mönche an den orangen oder ockerfarbenen Roben, die auch in Europa bekannt sind, kenntlich sind. Im wesentlichen unterscheidet man die strengen Waldmönche, deren Lehre von den meisten Konvertiten in Europa propagiert wird und dem Thammayut, die etwas weltlicher sind. Dazu kommen noch einige Splittergruppen. Alle zusammen unterstehen der Mahesaṃgha, mit dem Patriarchen von Thailand an der Spitze. Diese Herren sind ebenso „demokratisch gewählt“ und „fortschrittlich“ wie katholische Kurienkardinäle mit ihrem katholischen Kurienkardinäle mit ihrem Herrn Ratzinger an der Spitze. Diese konservative Gruppierung und das seit den 1960ern wieder erstarkte Königshaus stützen sich gegenseitig. Innerhalb gewisser Grenzen entscheidet jedoch jeweilige Abt was in seinem Tempel passiert, zum Beispiel ob man auch die Augenbrauen abrasiert, oder ob das beim morgendlichen Almosengang gesammelte Essen komplett vermanscht (egal ob Speiseeis auf Spaghetti oder ganzer Frosch mit süßer Mango auf Klebreis) und nur mit der rechten Hand (die linke ersetzt das Klopapier!) gegessen wird.

Eine kurze Zwischenbemerkung zum König: Es heißt immer „die Thais lieben ihren Herrscher.“ Das mag schon stimmen, zumindest sind die Wenigsten so blöd laut etwas gegenteiliges zu sagen, denn der Paragraph 122 des Strafgesetzbuches sieht für Majestetätsbeleidigung bindend 15 (in Worten: fünfzehn) Jahre Haft vor! Welche Zustände in südostasiatischen Gefängnissen herrschen, brauche ich nicht zu betonen. Selbst wer sagt, die jüngste Tochter des Königs sei eine Lesbe (was stimmt), wird mit fünf Jahren bedient. Ähnlich ist der Tarif wenn man sich mit einem Geldschein (auf dem sich das Bild des Königs befindet) eine Zigarre ansteckt (Beides so geschehen 1992-3). Fairerweise muß man erwähnen, daß die „Täter“ üblicherweise, wenn sie mit 60 Jahren im Knast noch leben nach etwa 3-5 Jahren begnadigt werden. Der Fall eines 70jährigen, der angeblich vier beleidigende SMS an den Haushofminister geschickt habe soll und dafür kürzlich zu 20 Jahren verurteilt worden ist erregte selbst in Thailand Aufsehen. [Nachtrag: Das urteil wurde im November bestätigt. Der 62jährige Ampon Tangnoppakul starb Anfang Mai 2012 an „Magenschmerzen“ in Haft]
Es hängen Bilder von Bhumipol (Rama X.) und seines Klans in praktisch jedem Haushalt – vermutlich mehr als es bei uns vor 70 Jahren Hitlerbilder gab. Nun war ich ja zur Zeit des 84. Geburtstages, am 5. Dezember, im Lande. Nach dem chinesischen Kalender ist die Vollendung eines 12-Jahres-Zyklus ein besonders glücksverheissendes Omen, so daß überall Altäre wie der im Bild gezeigte herumstanden. Zu welchem Gesabber zu erblöden sich auch ansässige Ausländer nicht zu schade sind, zeigt der Leserbrief aus der Bangkok Post – es war bei weitem nicht der einzige!

Fußnote: Die Beleidigung des Königs von Thailand kann auch in Deutschland bestraft werden: „§103  (1) Wer ein ausländisches Staatsoberhaupt … beleidigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe, im Falle der verleumderischen Beleidigung mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft. (2) Ist die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen, so ist § 200 anzuwenden.…“ Für die weiteren Hintergründe und Zusammenhänge im Machtspiel zwischen König, Saṇgha (Mönche), Militär und die von Wirtschaftsinteressen gekaufte Regierung empfehle ich das Buch „The King never smiles.“ Er lächelt deshalb nicht, weil er seinen Bruder erschossen hat, um auf den Thron zu gelangen (Ja, ja, es sind zwei Bauernopfer dafür hingerichtet worden). Das Buch gibt es in Thailand aus offensichtlichen Gründen nur als Bückware.

König
Atama„Heil Dir im Siegerkranz …“
Zu diesem Bild biete ich dem geneigten Leser ein Preisausschreiben (jedes Los gewinnt!)

Auch heute darf überings in Thailand kein Sterblicher (Mönche ausgenommen) seinen Kopf höher haben als Seine Majestät. Das kann man im Fernsehen immer wieder ganz nett beobachten, wenn er auf Inspektionsreise in einem abgelegenen Dorf sich zu einer kauernden, alten zahnlosen Bäuerin hinabbeugt um sie zu verstehen und sofort hinter ihm die ganzen hohen Beamten in den Schlamm fallen. Als ich vor gut zwanzig Jahren aus Japan kommend, noch vom Flughafen Don Muang aus, mit dem Bus in die Innenstadt gefahren bin, dauerte die, an sich schon zweistündige, Zuckelei noch länger, weil wir an einer Kreuzung fast eine dreiviertel Stunde anhalten mußten. Sämtliche Passanten wurden von der Polizei von den Fußgängerbrücken, die es an Bangkoks Haupstraßen zahlreich gibt, gescheucht. Dann rauschte ER – auf einer vollkommen verkehrsfreien Straße (in Bangkok !!!) – mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit in seinem beigen Rolls-Royce vorbei.
Das war auch die Zeit, als der König zwei Streithähne, nämlich den Premierminister und den Militärchef, nachdem das Land zwei Wochen am Lande des x-ten Militärputsches seit 1936 gestanden hatte und am Democracy Monument scharf geschossen (3 min 26s) wurde, dadurch zum Schweigen brachte, daß er sie vor laufendender Kamera auf Knien rutschend zu sich bat. Er hatte sie nicht wie üblich stehend, sondern selbst sitzend empfangen. Zwei Tage später war die Karriere beider beendet. (Dieser Klassiker auf YouTube, 1 min 16s)

Es sei daran erinnert, daß der Kronprinz im Sommer Schlagzeilen machte, als sein Privatjet am Münchner Flughafen gepfändet wurde und er tags darauf zum Erdbeerpflücken ging (Titelseite des Revolverblatts tz). Dem Kronprinzen, über den sein Vater schon 1973 öffentlich gesagt hat er sei „vollkommen nutzlos,“ scheint es aber nicht allzu pressiert zu haben nach Hause zu kommen; ich glaube durchaus, daß ein Anruf bei Thai Airways gereicht hätte und der nächste ab München abhebende Flieger wäre von allen anderen Passagieren befreit worden, um seine kgl. Hoheit vor bösen bayerischen Beamten zu erretten. Die wenigsten Thais würden wie ein landshuter Obergerichtsvollzieher auf die Idee kommen, daß ein Unterschied zwischen Privatvermögen des Königshauses und Staatseigentum überhaupt besteht. Immerhin wird geschätzt daß die königliche Familie (ähnlich wie das japanische Kaiserhaus) an Unternehmen beteiligt ist, die etwa einem Viertel des offiziellen Bruttosozialprodukts erbringen!

Wat Dhammakaya

Dhammakaya
Die ungewöhnliche gesstaltete Haupthalle des Wat Dhammakaya. Ebenso ungewöhnlich die Hausordnung, die u. a. den Zutritt von Laien nur am Wochenende wenn sie weiß gekleidet sind gestattet.

Baustelle
Bilder werden nachgereicht.

Der eigentliche Reisezweck wäre ja ein vierwöchige Meditationsaufenthalt gewesen. Da der Tempel sich 16 km nördlich von Bangkok befindet, fiel das Programm nun im wahrsten Sinne ins Wasser (zur Flut). Auf zwei Wochen verkürzt un um sehr wesentliche Punkte verkürzt fand dann noch ein zweiwöchiges Meditationsprogramm mit Ordination statt. Man hat mich gebeten im Februar wieder zu kommen, was wohl nicht zu finanzieren sein wird. Über meinen verkürzten Aufenthalt in diesem Tempel gibt es zu viel zu sagen, ich muß das erst aufbereiten. Entsprechendes wird (irgendwann) nachgereicht. Vorab nur:

Kein Bart
Der Bart ist ab!
(Angemerkt sei, daß sich der Tempelbarbier nicht an meinen Wildwuch herantraute – man hat mich zum Friseur um die Ecke geschickt, der traditionell mit dem Messer zu Werke ging.)

Über die Organisation, die Hintergründe und die Kritik kann ich mich noch nicht abschließend äußern. Zweifelsohne scheint die Tendenz zu einer Sektenbildung und geldgetriebenen Missionierungsaktivität, wie man es aus den amerikanischen Südstaaten kennt, hinzugehen, etwas für das im Rahmen des Buddhismus, so wie ich ihn heute verstehe, kein Platz.

Wat Chana Songhkram

Die zahlreichen Bilder der erwähnten Ordination bedürfen einiger Erklärung bezgl. der jeweiligen Vorgänge. Dies würde den Rahmen einer Urlaubsbeschreibung sprengen. Wer sie trotzdem ansehen will kann sie unkommentiert als .zip-Archiv herunterladen. (10 Mb).

Ich hatte an meinem letzten Tag Aufenthalt in Bangkok noch die Gelegenheit an einer gewöhnlichen (Einzel)-Ordination teilzunehmen, bei der diskrete Aufnahmen erlaubt waren. Der vergleichsweise große Wat Chana Songhkram steht in der Thammayut-Tradition, ist aber auch ein Ausbildungstempel. Der Lageplan weist neun Klassenzimmer aus. Die jungen Mönche die dort Pāli lernen sahen genauso gequält aus wie Schulklassen bei uns.

Wat Chana Songhkram, als Bauwerk
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Die dritte Reihe Bilder zeigt einen im chinesischen Stil gehaltenen Nebentempel.

Buddha 1
Buddhastue mit Blattgold

Buddha 2
Buddhastue mit Blattgold

Klassenzimmer
Klassenzimmer 9

Mönchsstatue
Mönchsunterkünfte

Fassade
Fassade

Stupa
Stupa

Fenster
Fenster

Glockenturm
Glockenturm

Drache
Drachensäule

Tempelwächter
Tempelwächter

Weihrauch
Weihrauchkessel

Mönchsstatue
Buddhas und Bodhisattvas im ch. Stil.

Wat Sila Ngu

Der Wat Sila Ngu ist ein kleiner, aber gut gepflegter Tempel auf der Insel Koh Samui, die sich in den letzen 30 Jahren von einer reinen Fischer- und Kokosanbauinsel zu einem der bedeutendsten Touristenziele Südostasiens entwickelt hat. Während meines Besuchs wurde gerade eine Gabendarbringung (?) vorbereitet, so daß die Haupthalle nicht zugänglich war. Im Vorhof findet sich auch ein Bodhi-Baum (ficus religiosa). Bemerkenswert ist, daß sich auf dem Friedhof das Grab eines dort 1963 verstorbenen amerikanischen Mönches befinden soll, aus einer Zeit also als selbst die meisten Thais diese abgelegene Insel allenfalls wegen ihrer 1½-2 Millionen Kokospalmen kannten. Der Tempel befindet sich ganz in der Nähe der von besuchten Anlage White Sands (siehe auch meine Bilder von 2009) am immer noch einigermaßen ruhigen Strand von Lamai. Im Moment befindet sich eine neue Halle in Bau. Nicht ganz so gepflegt, aber für einen Dorftempel typisch ist auch der in der Nähe befindliche Wat Samret.

Wat Sila Ngu
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Naga Dach
Schutzgeist

Meerblick
Mit Meerblick

Friedhof
Friedhofstreppe

Mönchsstatue
Mönchsstatue

Wat Samret

Der Wat Samret, ein paar Kilometer weiter in einem noch nicht vollständig touristisch erschlossenen Gebiet im Süden der Insel, ist einfacher gehalten. Es ist dort vergleichsweise ruhig, so daß man auch einmal mit Blitz photographieren kann, was an sich extrem ungern gesehen wird.

Wat Samret, Koh Samui
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Telephon
„Buddha-Phone“

Lonely Beach Tag
Buddhastatuen

Kanon
Schriften


Buddha

Abschließend noche einige Weiterführende Verweise zum Königshaus, thailändischen Buddhismus und einigen weniger schöneren Seiten Thailands.