Indien von Ost nach West

Auf Buddhas Pfaden: “You travel, you rich, you pay!“

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100 Rs


Bunte Gandhi-Bildchen, die - in Maßen, nicht Massen eingesetzt - die Bearbeitung von Anträgen auf indischen Behörden ggf. gewaltig beschleunigen.

Vorbemerkung

Indien ist so anders, daß ich hoffe eine längere Einleitung gibt Hilfestellung. Wer schon dort war kann den Abschnitt auslassen. Der eigentliche Reisebericht beginnt im Abschnitt Shimla.

Die Armut ist erschreckend, aber man kann nicht allen helfen. Persönlich habe ich Bettlern (nie Kindern) täglich 30-50 Rs gegeben (mehr erscheint nicht sinnvoll, da sonst jeder vorbeikommende Ausländer als Melkkuh angesehen wird) und zwar einfach den ersten beiden, die morgens gefragt haben. „Schau ihnen nicht in die Augen,“ – gemeint sind Bettler, Schlepper usw. du wirst sie sonst nicht wieder los! Es ist wichtig, sich einen „leeren Durchblick“ anzugewöhnen, so unhöflich das erstmal erscheint.

Irgendwann kommt der Punkt wo einem die Hitze, der Lärm, Dreck, Hitze und Gestank sowie die aufdringlichen Leute zu viel werden. Mit „aufdringlich“ meine ich z. B. den zwanzigsten Schuhputzer des Tages, der anbietet Sandalen auf Hochglanz zu polieren. In dem Fall hilft eine 1-2tägige „Flucht“ – ab ins Luxushotel für 30-50 €, air-con an, Vorhänge zu und ordentlich ausschlafen.

Fleisch
Auslage einer Metzgerei in Kathmandu. (Die Aufnahme entstang gegen 10 Uhr früh, abends kam ich nochmal vorbei, unterdem Tisch schnarchte ein Hund). Fliegen waren überraschendweise kaum zu sehen.

Delhi Belly: Es erwischt jeden, in der Regel aber erst nach 4-6 Wochen im Lande. Eine Woche schmerzhafte Durchfälle, die auch duch Medikamente wenig gelindert werden. Immodium hilft nichts, hält die Bakterien eher länger drin; ggf. homöopathisch (in Indien sehr verbreitet) mit Sulfur und Kohletabletten. Ab ins Bett, schwarzer Tee und täglich eine Banane, mehr geht nicht. Fanatisches Mineralwassertrinken ist nicht unbedingt nötig. Es gibt in jedem deutschen Campingladen Wasserreinigungstropfen. Die und eine unzerbrechliche PET-Flasche (aus Deutschland mitbringen, am stabilsten scheinen mir die von Adelholzener) sind hilfreich.

„Jedermann braucht Papier …“ Man begebe sich in Indien nie ohne eine Klorolle außer Haus. Zwar trifft man immer wieder diese „Traveller,“ die im BUCH (Lonely Planet (Auffallend wenn man die Bücher liest auch, die Tendenz gegen das Bahnfahren als Fortbewegungsmittel und, immer wenn in einer Region Melonen wachsen, diese als „herrlich süß“ o. ä. beschrieben werden.) hat mit seinen Büchern mehr kaputtgemacht als Tsunamis und Erdbeben) gelesen haben, wie viel hygienischer es sei sich in der Hocke mit links den Hintern auszuwischen und dies nun predigen. Ähnlich lästig sind die meist in ihren Zwanzigern befindlichen Engländerinnen oder Amerikanerinnen, die einem Vorwürfe machen weil zwei Bierchen und das noch an zwei Abenden hintereinander sooo viele Jahre deines Lebens kosten werden. Meist kommt dann noch „I am vegetarian“ – is’ ja gut, Mädel! Vegetarisch zu leben ist in Indien durchaus sinnvoll, viele Packungen sind mit einem grünen Viereck entsprechend gekennzeichnet: Rindfleisch gibt es nicht, Hammel (“mutton”) und Hühnchen ist immer zäh, wenn man sieht wie Schweine leben vergeht es einem ebenso wie wenn die fliegenüberzogenen Fleischstücke ungekühlt im Markt sieht – aber bitte hört das selbstgerechte Moralisieren auf!
Kanaldeckel sind in Indien meist aus Beton, da die eisernen für ihren Metallgehalt gestohlen werden.

Was hat sich geändert seit 1994?

Cow
„Heilige“ Kuh, was nur heißt, daß Rindfleisch nicht gegessen wird. Als Zugtiere werden sie durchaus mit Stockschlägen gequält. Auch ihre Milch gehört jemandem (Brahmin-Rinder geben wenig), auch wenn die Tiere selbst den ganzen Tag frei herumlaufen. Vielfach werden die Hörner bunt angemalt, um den Eigentümer kenntlich zu machen. (Aufnahme Bangalore, Jan. 1994).

Cow Trash
  • Es gibt mehr öffentliche Toiletten in Großstädten, einige mit Wärter sind sogar erträglich gepflegt.
  • Die öffentliche Trinkwasserversorgung wurde stark ausgebaut. Nicht nur auf Bahnsteigen gibt es Wasserhähne (die dem umliegenden Viertel dienen), sondern mehr „Bäder“ mit Handpumpen und knöchelhoch eingefaßten Becken. Anzumerken ist, daß die Inder körperlich sehr sauber sind und fast alle täglich waschen/baden, nur mit ihrer Umwelt haben sie’s leider nicht. Tabus hinsichtlich höherkastiger Hindus erforden den Gebrauch von Einwegverpackungen, heute leider viel zu oft aus nicht verrottendem Plastik, statt der früher verwendeten Tongefäße oder Blätter.
  • Das Telephonnetz wurde ausgebaut (die Zeiten wo man am Postamt für's Ferngespräch anstehen mußte endeten um 1985). Inzwischen ist die Wahrscheinlichkeit, daß man im Festnetz durchkommt gute 95% (mit dem Handy zahlt man auch innerindisch zwischen Regionen Roaming-Gebühren [2018 abgeschafft]). Es gibt an jede Ecke öffentliche Telephone, d. h. Buden mit Apparaten am Tisch (Schilder: STD/ISD).
  • Ich habe am Straßenrand keine Regenschirm-Reparateure mehr gesehen (das kann aber auch an der Jahreszeit gelegen haben).
  • Leprakranke scheinen sämtlich kostenlose Medikamente zu bekommen. Zumindest sind die Bettler, die einem seine schwärenden Wunden unter die Nase geahlten haben verschwunden (persönlich kann ich mich an nichts ekelhafteres als einen faulenden offnene stinkenden Arm erinnern).
  • Das Essen in den Zügen ist deutlich schlechter geworden. Früher kam ein Schaffner rum, nahm Bestellungen auf, im nächsten Bahnhof wurde voraustelegraphiert und frisches Essen auf ordentlichen Tellern angeliefert. Heute gibt es in den Speisewagen aufgewärmtes Zeug aus Aluschalen wie im Flugzeug.
  • Die Erfordernis offizielle Geld-Umtauschformulare vorzulegen ist weggefallen. Der Wechselkurs für Bares ist in Banken und auf der Straße ist fast gleich. Banken braucht man eigentlich nur für Traveller checks.

Hinsichtlich „Indien-Berichten,“ seien es Bücher, Photos oder Internet ist ein Problem meiner Ansicht nach, daß man dem Leser die oleofaktorische Erfahrung nicht mitgeben kann (Einfacher gesagt: Der Gestank ist manchmal unbeschreiblich).

Zwei Tage vor Abflug, begann ich Schmerzen im linken Knöchel zu haben. „Naja, leicht vertreten, das hört in ein paar Tagen schon wieder auf“ Zeit für einen Arztbesuch war nicht mehr. Vorneweg: Denkste!

Bürokratie

India
Nepal

In München gibt es zum einen ein indisches Konsulat, zum anderen einen Honorarkonsul von Nepal. Dieser Herr war [2008] ein Zahnarzt mit Privatpraxis in bester Innenstadtlage, die Dienstags als Konsulat fungiert, den typischen Geruch bekommt man nicht weg. „Der Nächste bitte“ darf also Formular, Photo und Zahlung im Sprechzimmer abgeben und Donnerstag wieder abholen – „Mamma, er hat gar nicht gebohrt.“ [2021 ist der Konsul Ludwig Greissl, der zu den Erstbesteigern des Annapurna-Mittelgipfels gehört hatte]

In Indien gibt es noch gewisse meist grenznahe Regionen (Assam, Andamanen) für die man außer dem Visum (2008: 40 €) ein Permit braucht. Für mich war hier Sikkim interessant, das kostet aber seit einiger Zeit in Deutschland 30 € während es vor Ort kostenlos aber mühselig ist. Zum Glück wußte ich von meinem früheren Besuch, daß derartige an sich kostenlose Anträge durch Beifügung bunter Gandhi-Bildchen deutlich schneller bearbeitet werden.

Etwas, das den Reisenden auf ewig begleiten wird ist das „C-Form,“ der Meldezettel für Ausländer im Hotel, auszufüllen in dreifacher Ausfertigung, manchmal genügt ein Eintrag im Gästebuch. [2021 geht es auch online] Außer dem Üblichen: Name, Adresse fragt man nach Namen des Vaters, Paßnr., -ausstellungsort/datum, Visumsnummer, Einreisedatum, woher?, wohin? wie lange? Bei meinem ersten Aufenthalt habe ich mir einen Gummistempel mit den Paß-/Visumsdaten für 2 $ machen lassen.

Aus Deutschland mitbringen sollte man Landkarten und Sonnencreme. In Indien braucht man immer mal wieder Photokopien der Seiten des Passes mit den pers. Daten und dem Visum. Paßphotos kann man dort unten beim Photographen durchaus billig machen lassen. Datenschutz und Privatsphäre existieren nicht. Beachte, daß die indische Regierung auf Totalüberwachung setzt.¹ In zahlreichen Internetcafes wird der Paß photokopiert/gescannt (!). Ein Laden in Kalkutta wollte gar meinen Fingerabdruck, da bin ich dann gegangen.

Slum
„Durchschnittliche Wohnlage:“ Slums entlang der Bahngleise, wie hier in Delhi sind weit verbreitet. Diese Leute zahlen „Miete“ an den örtlichen Gangsterboß, der dafür sorgt, daß nicht allzu oft von der Gemeinde zwangsgeräumt wird.

Bahn und Bus

Es gibt in jedem größeren Ort einen einigermaßen organisierten Busbahnhof. Am Beginn einer Linie fährt man einigermaßen pünktlich ab. „Deluxe"-Busse haben oft sogar Scheiben in den Fenstern. Allzu genau sollte man sich die Fahrzeuge nicht ansehen, wenn man ein europäisches Sicherheitsbedürfnis hat. In der Regel spricht man am Schalter Englisch, der Zielort ist fast immer auch westlich angeschrieben. Das Verzurren des Gepäcks am Dach ist üblich, da kommt auch selten etwas weg, übermäßiges Mißtrauen ist nicht angebracht.

Für Ausländer ist das Reisen mit der Bahn wohl der einfachste und am häufigsten genutzte Weg. In der Bahn (Breitspur) gibt es fünf Klassen, von „first class air con“ bis „second unreserved“ (Holzbankklasse), die so gut wie nichts kostet (600 km ca. 2,80 €), aber für die unendlich viele Fahrkarten verkauft werden. „2nd class sleeper“ mit Reservierung ist normalerweise ausreichend, entsprechend etwa europäischen Liegewagen. „Air con“ (a/c) meide ich, wegen der schlechten Wartung (wie überall in Indien) funktioniert die selten richtig und auf den plastiküberzogenen Sitzen klebt man trotzdem fest. Die Waggontüren werden nachts von innen abgesperrt. Raucherabteile gibt es nicht mehr, in den unteren Klassen kann noch zwischen den Waggons geraucht werden (2008).

Der Indian Rail Pass ist preislich kaum attraktiv, außer man verbringt jede Nacht im Zug. Das Anstehen um Reservierungen erspart er einem auch nicht. Aus der guten alten Zeit stammt noch das System der Quoten. Jeder Fernzug hat für jeden Bahnhof eine bestimmte Zahl zugewiesener Sitze – mehr dürfen zunächst nicht verkauft werden. Es gibt aber Zusatzquoten für Ausländer, Frauen (teilw. Sonderabteile), Beamte, Kämpfer des Befreiungskriegs usw. Wenn man kurz vor Abfahrt noch Mal fragt, hat man vielleicht Glück. Da computerisierte Buchungen immer verbreiteter werden, ist das Quotensystem nicht mehr so wichtig. Für computerisierte Fahrkarten wird 20 Rs Zuschlag verlangt. Es gibt eine Webseite auf der man die Belegung der Fernzüge prüfen kann. Allzu gut funktionierte die aber 2008 [auch noch 2013] nicht (URL 2021 etwas schöner).

Unerläßlich ist immer noch das an vielen Bahnhofskiosken erhältliche Kursbuch, allein schon wegen seiner Steckennetzkarte.

Seit die Elektrifizierung weiter fortgeschritten ist, hat man aus offensichtlichen Gründen das Reisen auf dem Dach verboten. Vergleiche hierzu: Video Man Electrocutes Himself On Train - India).

Die Fenster der Waggons sind vergittert, um das Ein- und Aussteigen zu verhindern. Das macht aber bei Unfällen die Wagen zu Todesfallen. Von den vier Toiletten eines Wagens ist in den besseren Klassen zumindest eine „westlich.“ Im Gegensatz zu 1994 werden sie inzwischen an bestimmten Bahnhöfen sogar sauber gemacht, teils mit Hochdruckreinigern Marke Kärcher.

Klo
“Retiring room”-Toilette. Beachte diese Kombi-Variante. Man kann auf der Schüssel auf dem extra breiten Rand auch „traditionell“ hocken (engl. “squat”).

Eine wirklich praktische Errungenschaft sind die “retiring rooms.” Das sind Zimmer oder Schlafsaalbetten auf allen größeren Bahnhöfen, die man buchen kann, bis der Anschlußzug fährt. In der Regel gibt es eine Waschgelegenheit.

Bei der Gepäckaufbewahrung verlangt man meist, daß das Gepäck abgesperrt aufgegeben wird. Für Rucksäcke kaufe man in Indien billig einen Meter Kette und Vorhängeschloß. Viele Inder schließen ihre Koffer auch im Abteil mit sowas an.

Shimla

Shimla war die Sommerhauptstadt von Britisch-Indien. Weil es in den Ebenen unerträglich heiß wird, zog die gesamte Verwaltung samt Akten zweimal jährlich um. Im März hinauf und Ende Oktober wieder hinunter (bis 1911 von Kalkutta, dann aus New Delhi). Für die Provinzverwaltungen gab es ähnliche “Hill Stations,” z. B. Darjeeling.

In Obergeschoß der New Delhi Station gibt es einen Sonderschalter mit klimatisierter Lounge für Ausländer. Man verkaufte mir jedoch ab der Umsteigestation Kalka nur 2. Klasse für den Shimla-Toytrain (“toytrain“ = Schmalspurbahn im Gebirge² ). Was mir der Schalterbeamte nicht sagte war, daß in Shimla das jährliche Fest anstand, alles war ausgebucht. Bis zur Umsteigestation war die 2. Klasse erträglich. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, daß es noch einen 1. Klasse-Sitz vor Ort geben würde, dem war nicht so, der Schaffner wies mich in den überfüllten 2. Klasse-Waggon. Ich bin einfach die sechs Stunden stehend in der ersten Klasse geblieben. Der Schaffner (Fahrkarten auf reservierten Plätzen werden nur einmal kontrolliert) und ich haben mehrmals angestrengt aneinander vorbeigeschaut, wenn er bei Zwischenhalten am Bahnsteig am Waggon vorbeikam.

Als ich nach Einbruch der Dunkelheit ankam, gab es wegen des Festes keine Unterkünfte mehr. Ich mußte dann ein 4-Bett-Zimmer für 1100 Rs. nehmen. Mit dem Portier habe ich mich dann noch gestritten, weil ich zu doof war 100er- und 1000er-Scheine auseinanderzuhalten. Ein Zeichen der Übermüdung.

Am nächsten Morgen bin ich dan in dem wunderschön entspannten Ort spaziert. Seit meinem Abflug in Frankfurt hatte ich aus Appetittmangel nun den dritten Tag nichts gegessen. Mir wurde vor Hunger plötzlich schwindlig – die 500 m zum nächsten Straßenstand, wo es frittierte Toastscheiben mit Ei gab, fielen mir extrem schwer. Als nächste Dummheit gab ich einem beturbantem Bettler – so glaubte ich – vor dem Hotel meine ganze „Bettlerquote des Tages“ 50 Rs. Tatsächlich war der Mann ein Sadhu („Heiliger“), dem man für einen Segensspruch eine Münze in das mit Öl gefüllte Gefäß legte. Noch am Nachmittag traf mich sein Blick voller Verachtung …

Der später stattfindende „Trachtenumzug“ für den etliche Artisten angereist waren bot alles was man sich an Indien wünscht: Trommler, Elephanten, Kamele, Schwerttanz und alles sehr laut und bunt.

Shimla ist der Ursprungsort der Nehru-Jacke“ Nehru„ d. h. der ärmellosen Westen mit Stehkragen, die Jawaharlal Nehru praktisch immer trug. Korrekt heißen sie Shimla-Jacket (bzw. achkan oder sherwani) und sind in der wollenen Version für 120-150 Rs eine lohnende Investition für kühle Abende.

Shimla Toy train Amtssitz Blick auf Shimla. Tanz Veranda Monkeys

In Shimla bin ich dann in den ersten Neubuchladen hinein, stehe vor dem Regal mit Biographien und – auf Augenhöhe – strahlt ER mich an: Zu haben für 2,50 € eine Raubkopie der englischen Übersetzung von Mein Kampf, inklusive Führerbild vorne und am Rücken!

Weiter gings per Nachtbus nach Westen.

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Dharamsala (MacLeod Ganj)

Dharamsala ist der Exilort des Dalai Lama. Der größtenteils von Tibetern bewohnte Ortsteil heißt MacLeod Ganj. Er liegt 400 Höhenmeter über Dharamsala. Hinauf geht es per Taxi vorbei an einer Kaserne (“cantonment”) auf einer steilen Straße, die ich mir nicht fahren trauen würde. Mit dem Nachtbus runter war ich dann ob der Dunkelheit sehr froh.
Ende Oktober sah man die umliegenden Berggipfel schon mit Schnee überzuckert.

In Dharamsala findet man viele im Vergleich zu den Hindus der Ebenen sehr entspannte Tibeter. Man wird deutlich seltener belästigt, die Infrastruktur ist schon sehr auf westliche Gäste angelegt. Was zum Vorteil hat , daß man auch eine anständige Tasse starken schwarzen Kaffees bekommen kann.

Unter den Touristinnen fallen zahlreiche mittelalterliche „Emanzen“ auf, die sich ganz offensichtlich einen zwanzig Jahre jüngeren hübschen tibetischen Lustknaben halten. Dazu kommt noch die übliche Lonely-Planet bewaffnete Schar von Backpackern Mitte 20, die sich ohne ihr BUCH, allenfalls an Mammis Hand in die U-Bahn ihres londoner Vororts trauen würden. Man kann diese Typen aber vermeiden. Angenehmere Gesprächspartner sind dann die von den zahlreichen westlichen Entwicklungshilfeorganisationen entsandten Leute, die sich bemühen Sprache und Kultur zu lernen. Seine Heiligkeit war nicht vor Ort, der Andrang im Tempel, der an die Residenz (diskret, aber scharf bewacht von indischen Soldaten) anschließt, hielt sich in Grenzen. Dieser im tibetischen Stil gehaltene Tempel ist tagsüber frei zugänglich, bietet aber baulich wenig. Im Inneren mit Souvenir- und Buchshop.

Im Tibetan Institute of Performing Arts (TIPA) fand die Wahl einer Miss Tibet statt – angetreten waren 2 (in Worten: zwei) Teilnehmerinnen. Miss Tibet 2008 Diese Veranstaltung an einem derartigen Ort fand keine ungeteilte Zustimmung, konservative Moralapostel sagten dies wäre „das Nachäffen westlicher Kultur“ (“aping western culture”).

Wirklich gut bestückt ist der Bookworm-Bücherladen. Auch im Postamt ist man sehr professionell wegen der großen Zahl der ins Ausland verschickten Päckchen. Beachte: Päckchen müssen in Indien eingenäht sein. Päckchensack
So sieht das nach Ankunft in Deutschland aus.
Vor jedem Postamt sitzt ein Schneider, der das je nach Größe für 20-80 Rs. den Vorschriften entsprechend macht. Ansonsten sende man prinzipiell alles per Einschreiben, dann werden keine Marken aufgeklebt. Diese werden nämlich gerne vom Schalterpersonal wieder abgelöst und nochmal verkauft, der Brief wandert in den Müll (Das Porto eines 100 g-Luftpostbriefs kann durchaus einen Tageslohn wert sein). Alternativ sollte man darauf bestehen, daß die Marke vor einem abgestempelt wird.

Im unteren Ortsteil, d. h. dem eigentlichen Dharamsala, befindet sich das Himachal Pradesh lokalgeschichtliche Museum, mit mäßiger aber nicht ganz uninterssanter Ausstellung. Eintritt für Inder 2 Rs., Ausländer 50 Rs. Wenn man in der nahen Busstation ein paar Stunden Aufenthalt hat lohnen sich 1-2 Stunden Besuch, extra hinfahren muß man nicht.

Ehepaar Müllcontainer Sonderpreis „Opferkerzen“ Residenz Busfahrkarte

Der Nachtbus brachte mich nach Dehra Dun, wo sich im zweiten Weltkrieg ein KZ der Engländer befand, dort internierte man „feindliche Ausländer“ zuvorderst Deutsche und Italiener getrennt in zwei Teillagern: Pro- und Anti-Nazi, in letzterem ironischerweise auch zahlreiche Juden mit deutschem Paß. Aus diesem Lager entkamen die Bergsteiger und SS-Angehörigen Heinrich Harrer und Peter Aufschnaitter nach Tibet. Zu sehen gibt es nichts mehr.

Bekannt ist der Ort noch wegen der 1929 gegründeten Doon-Schule. Das war die erste für Inder in Indien eingerichtete moderne Internatsschule nach Vorbild einer britischen public school zur Elitenbildung. Zahlreiche spätere Spitzenpolitiker des unabhängigen Indien wurden hier ausgebildet. Sofern sie Memoiren veröffentlicht haben ist denen gemeinsam, daß sie sich an das Internat hauptsächlich wegen seines miesen Essens erinnerten.

Weiter mit der Bahn über Barreilly nach Lucknow. Die nahen Hindu-Pilgerorte Rishikesh (den Älteren bekannt durch die Beatles) und Haridwar habe ich ausgelassen. Wenn es kein Pilgerfestival gibt, ist dort außer dem Ganges nicht viel zu sehen. Für Yoga habe ich mit meinen zwei Zentnern auf 1,84 m und operiertem Knie nicht die Gelenkigkeit. Ich meditiere lieber gemütlich buddhistisch und unverrenkt.

Lucknow, dann nach Gorakhpur

Train ticket
Bahnfahrkarte zum Übergang in eine höhere Klasse.

Der Zug (2. Klasse reserved seat) war erträglich und kam des Morgens an. Lucknow war während des Sepoy-Aufstandes 1857 das lange belagerte Zentrum englischen Widerstandes. Die Kolonialliteraur ist voll mit Geschichten britischen Heldentums.

In Lucknow konzentriert meiner Ansicht nach das Schlimmste was Indien im „Hindi-Belt“ zu bieten hat. Lärm, Dreck und Smog (die Tuck-tucks fahren immer noch mit 2-Takt-Sprit, nicht wie andernorts mit Erdgas) sowie extrem aufdringliche Leute. Außerdem tat mein Fuß inzwischen grauenhaft weh, eine in Dharamsala gekaufte Bandage hatte nicht geholfen. (Erst nach meiner Rückkehr stellte sich haraus, daß operiert gehört hätte. Dafür war es aber dann zu spät, so daß ich vier Monate Krücken und weiter elf Monate Schmerzen hatte. Aber immerhin hatte der Orthopäde um die Ecke nach der ersten Untersuchung den netten Spruch: „Also eines kan ich Ihnen sagen: Knochenkrebs haben Sie nicht.“ Danke! Die restliche Behandlung übernahm ein lieberer Kollege zwei Straßen weiter).

Ich buchte mich also dann in das zweite Hotel in Bahnhofsnähe (dem ersten hat sich meine Nase verweigert) für 300 Rs. pro 24 Stunden. Vor dem Hotel lag ein totgefahrerner Hund, dessen Innereien schön verteilt auf der Straße waren, er lag dann bis spät in die Nacht da.

Der einzige Lichtblick in Lucknow war für mich der botanische Garten. Mit dem Taxi kam ich gegen 11 Uhr an einem Seitentor an. Der Wächter ließ mich nicht hinein, denn Öffnungszeit ist nur 6-9 Uhr morgens. Um die Ecke beim Haupteingang telephonierte dann ein Offizier (selbst einfache Wächter tragen militärische Uniformen, dieser hatte zwei goldene Sterne) mit dem Leiter des Instituts, der mich reinließ: „Welcome, you are a guest in our country.“ Der Garten selbst hatte wenig zu bieten.

Eigentlich war ich nur in Lucknow, um einen Anschluß nach Gorakhpur (Richtung Nepal) zu buchen. Dummerweise ist der Ausländer-Reverierungsschalter wie in vielen indischen Städten nicht im Bahnhof, sondern in der Stadt. Zudem rückte die Hauptreisezeit um das Divali-Fest näher. Es war deshalb nur “2. unreseved” zu bekommen – 600 km knapp unter 3 Euro. Planmäßige Abfahrt wäre um 3 Uhr morgens gewesen, ich war Mitternacht am Bahnhof. Irgendwann in der Nacht fand ich einen Umbuchungsschalter, wo ich einen „2nd class a/c sleeper"-Platz für weitere 10 € bekam.

Enfield
Enfield Bullet, indischer Traum zahlreicher Motorradfahrer. Unveränderter Lizenznachbau eines englischen Motorrad (die 500cc-version hat gut 25 PS und ist ein klassischer Langhuber). Eigenexport nach Europa ist nur dann sinnvoll, wenn man die Export-Version kauft, die für den indischen Markt gebauten Maschinen sind im zweiten Winter zusammengerostet.

Inzwischen war der Zug als 3½ Stunden verspätet angeschrieben. Züge verkehren in Indien immer als Paare: “up” und “down” unter einem bestimmten Namen. Dummerweise wurde bei meinem Zug der Bahnsteig getauscht, aber beide Züge des Paares kamen fast zur gleichen Zeit an. Ich stieg also in den Zug, fand mein Abteil, bezogenes Bett und alles. Ein Schaffner weckte mich dann, brummelte irgendwas und Ruhe war. Später habe mich mit einem Oberleutnant unterhalten, der auf dem Weg zu einem neuen Posten war. Daß der Ort, den er nannte das andere Endziel der Strecke war fiel mir nicht auf. Für einen Angehörigen eines staatlichen Unterdrückungsorgans war der Mann ausgesprochen gebildet und angenehm.

Kurz vor 14 Uhr waren wir dann am Ziel, leider nicht Gorakhpur, und mir dämmerte bald, daß ich falsch gefahren war. Der Gegenzug sollte um 22 Uhr zurück fahren, also hundert Meter die Straße lang (Scheiß Schmerzen im Fuß!) eine Hügel hinauf zum Reservierungsbüro. “Sorry, Sir. We close at 2 p.m on Saturdays.” – Es war 5 Minuten nach Zwei, das in Indien! Da der Laden computerisiert war, keine Chance gegen Bakshish noch ein vernünftiges Ticket zu bekommen. Es folgte dann eine 18stündige Fahrt im Gepäckfach 2. Klasse. Der Wagen war brechend voll. Nun haben hochkastige Hindus Angst sich durch Berühren eines Ungläubigen zu verunreinigen, was geholfen hat. Es zwängte sich nur ein jugendlicher Muslim zu mir mit hinauf. Ich habe mich nicht getraut zum Pinkeln hinabzusteigen, der Platz wäre gnadenlos weg gewesen.


Unser Ziel (mehr nicht): Sicherheit und Pünktlichkeit. Der Reservierungsschalter dieses Bahnhofs war wohl der einzige Indiens der es mit der Pünktlichkeit preußisch genau nahm. Wenn ich ehrlich bin war es auch der ordentlichste und gepflegteste Bahnhof, den ich gesehen habe.

Dort galt auch: “Government Service is Service to the People” – Das stand wirklich auf einem anderen Schild! Das wird im Lande etwa genauso ernst genommen wie das „dem Volk dienen“ (為人民服務 Wéi rénmín fúwù. Vollständig: „Mit Leib und Seele dem Volk dienen und sich auch nicht für einen Augenblick von den Massen lösen; sich in allem von den Interessen des Volkes und nicht von den Interessen der eigenen Person oder kleiner Gruppen leiten lassen; sich in gleicher Weise dem Volk wie der Parteileitung gegenüber verantwortlich fühlen das ist unser Ausgangspunkt.“ Ausgewählte Werke Mao Tse-tungs, Bd. III, „Über die Koalitionsregierung“ (24. April 1945). in chinesischen Amtsstuben – ein Euphemismus für „wir schnarchen hier.“ Incredible India.³

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Nepal

Lumbini (Geburtsort des Buddha)

Grenzort Sagauli

Pilgerstätten
Buddhistische Pilgerstätten Nordindiens. (Vergrößern)

Endlich in Gorakhpur ging es dann relativ zügig weiter mit dem Bus zum Grenzort Sagauli. Die indische Seite ist mit chaotisch höflich umschrieben. Die Atmosphäre ist jedoch freundlich. Nicht einmal mit der Fahrradriksha kommt man zur Grenze durch, so grauenhaft ist der Verkehr mit zahllosen LKW.

Einheimische wechseln beliebig unkontrolliert hin und her, einen Schlagbaum gibt es nicht. Irgendwo rechts zwischen ein paar Läden die indische Auscheck-Stelle, dann ein kleines Häuschen für Nepal. Ich war sehr froh mein Visum schon zu haben, an der Grenze könnte man es auch bekommen aber nur gegen 20 US$ cash (nix Rupies), Photo usw. Die “traveller” vor mir waren ob des gut einstündigen Prozederes genervt. Auf nepalischer Seite stauten sich die LKW knapp zwei Kilometer. Es war inzwischen Abend.

Am Ort gibt als Unterkunft nur ein teueres Hotel und ein “guest house,” das aber filmreif. Peep holes in den Wänden, Plastikeimer unter tropfendem Waschbecken, Wanzen (oder so ähnlich) in der Matratze und Bettlaken die noch nie Persil gesehen haben. Am Dach eine Terasse mit Restaurant, dessen Küche aber bei nur drei Gästen nicht aufmacht. Also ab zu den Straßenständen, dort das erste Mal Wasserbüffel-Schachlik gegessen. Die Traveller von der Grenze fanden sich auch ein. Wir hatten dann einen netten Abend auf der Dachterasse bei ein paar kühlen Bierchen, die Viecher in der Matratze dann ein nettes Nachtmahl.

Am nächsten Morgen war ich der einzige, der nach Lumbini wollte. Das „Reisebüro“ im EG bot an einen Wagen für 20 US$ zu besorgen. Für knappe 14 km war mir das entschieden zu viel. Also mit dem öffentlichen Bus, einmal Umsteigen.

Lumbini

LKW
LKW-Fahren in Nepal.

Lumbini, der legendäre Geburstort Buddhas, zerfällt in zwei Teile. Zum einen das überraschend kleine Dorf, kaum mehr als 30 Häuser die Straße entlang und den Park, der mit einem gußeisernen Zaun kilometerlang umschlossen ist und sowohl Naturschutzgebiet als auch seit 1997 UNESCO-Weltkulturerbe ist.

Um herumzukommen ist es sinnvoll ein Fahrrad zu mieten – doch prüfe wer sich bindet, daß er eines ohne Platten findet. Frühstück gibt’s nur an einem Stand und dort jeden Tag das gleiche: „Channa mit Puri“ eine Art Kichererbsen-Curry-Suppe dazu fettige Teigscheiben. Nachmittags kochte man dort auch, dann waren aber die Fliegen so zahlreich, daß ich gerne anderswo hin ging.

Nach ein paar Wochen Indien ist es innerhalb des Parks schon fast paradiesisch ruhig. Außer Mönchen und einigen Arbeitern darf (theoretisch) niemand drin wohnen. In den letzten Jahrzehnten haben weit verstreut die Gläubigen verschiedener buddhistischer Länder eigene Tempel errichtet, die sämtlich sehenswert sind. In einigen könnte man auch unterkommen, ich habe mir aber ein Guest House im Dorf genommen. Man sollte sich drei volle Tage gönnen. Besonders am frühen Morgen sind die Tempel in der Anlage ausgesprochen ruhig und schön. Selbst die busweise angekarrten meist aus China stammenden Tourgruppen zerstreuen sich im Gelände.

Ashoka-Stele Ticket Lake Spinnweben Thai Tempel Dharmachakra Chinese 1 Chinese 2 Stupa

Die Hauptattraktion ist natürlich die Geburtsstätte Buddhas, in der Halle mit einem „Fußabdruck,“ kleinem Museum, Bodhi-Baum und einer Ashoka-Säule. Sehr nett renoviert. Photographieren kostet extra. Auf dem Weg zum Haupteingang hat eine Einheimische ihren ca. sechsjährigen Sohn abgerichtet, die Vorbeikommenden mit einem ihrem „Buddhismus“ nahestehenden Satz anzubetteln. Für Europäer „om mani padme um,“ Chinesen etwas anderes und Inder auf Sanskrit.

Ich habe mir dann im Reisebüro eine VIP-Busfahrt (9sitziger japanischer Minibus) nach Kathmandu gebucht (Beförderungsbedingungen siehe Bild). Während mir die Dame die Fahrkarte ausstellte rannte die wohl größte Ratte, die ich bisher gesehen habe das an der Decke hängende Kabel entlang. Die Verkäuferin trugs mit Fassung.

Ticket
Nepalesische Beförderungsbedingungen (Vergrößern)

Kathmandu

Die Fahrt durch die Vorberge des Himalaya geht durch spektakulär steile Schluchten entlang eines Flußbetts hinauf. Auf dem Weg zur Hochebene zwischendurch ein paar Raststops, man konnte z. B. gräucherte Flußfische, Honig oder Frösche kaufen. Mit im Mini-Bus war eine sehr gute englischsprechende nette Chinesin aus Sian (unverheiratet, wie sie mehrmals betonte). Als sie dann aus einem der Rasthäuser auf mich zustürzte und mir einen Apfel anbot, wurde mir die Eva-Analogie dann doch etwas zu heftig …

Cute
“Truth in advertising.”

Abgesetzt wurde ich irgendwo am südlichen Stadtrand Kathmandus, also ab mit dem Taxi zum einzigen Ort, den ich kannte – “Freak Street.” Davon ist natürlich nur noch wenig übrig, sie liegt aber zentral. In den Tagen darauf habe ich dort einen schönen handgestrickten Pulli gekauft. Es gibt auch noch auf Ausländer spezialisierte Reisebüros.

Wer nach K. fährt sollte sich bereits zu Hause einen Stadtplan zulegen – es gibt keine Straßennamen, man ist sc class="left"hnell verloren – denn auf dem Subkontinent sind brauchbare Karten rar. Hilfreich finde ich „Kathmandu & Pathan City, 1:15000“ vom Himalayan Map House (ISBN 99933-23-55-1).

Der gesamte Durbar Square („Die meisten Bauwerke auf dem Kathmandu Durbar Platz sind Gebäude aus dem 16. und 17. Jahrhundert sowie ein Abschnitt aus dem 12. Jahrhundert. Das zentrale Merkmal des Platzes ist der berühmte Hanuman Dhoka Palastkomplex. Der herrliche Palast wurde zu Ehren des Affengottes Hanuman gebaut und mit einer Statue der Gottheit an den Haupteingang gestellt. Der Hanuman Dhoka Palast diente als Residenz von lizenz Nepal bis ins Jahr 1800. Er war auch der Treffpunkt wichtigster Administratoren. Zahlreiche Zeremonien wurden hier veranstaltet. Der nepalesische Palast besitzt einen beeindruckenden Bau mit kunstvollen, geschnitzten Holzfenstern und Tafeln. Besucher des Palastes sind herzlich eingeladen durch das Mahendra Museum und durch das Tribhuvan Gedenkmuseum zu gehen.“) mit den Pagoden und feinst geschnitzten Wänden ist UNESCO-Weltkulturerbe, man hat an einigen Stellen Kontrollstellen (ca. 9-17 Uhr) eingerichtet, die Ausländern 200 NRs (2,05 €) abknöpfen. Nichts gegen Eintritt, besonders wenn er wirklich der Erhaltung dient, aber wenn ich jedes Mal, nur auf direktem Weg zu meinem Hotel oder zum Markt zu gelangen 200 NRs zahlen soll, wird das etwas lästig – aber die Schleichwege findet man ja schnell. Der Platz ist eben kein Museum, sondern das Stadtzentrum, um das herum das Leben tobt. Um den Square gibt es ein paar Dachterassen-Restaurants (kein Essenszwang) von denen man den Sonnenuntergang über der Stadt genießen kann. [Beim Erdbeben am 25. Apr. 2015 wurden die meisten Bauten zerstört. Sanierungen dauern 2020 noch an.]

Cute
Sonnenuntergang über Kathmandu. Wegen abendlichem Stromausfall ohne störende Straßenbeleuchtung.

Im Viertel Thamel fand ich das Lansisha Guest House, nach örtlichem Standard ein 3* Hotel, das mit seinen 5 US$ für ein Doppelzimmer eindeutig zu billig für die gebotene Qualität war. Warmes Wasser gab es, wie so oft, nur auf Bestellung aus dem Eimer.

Der große Aufreger in den örtlichen Medien während meines Aufenthalts Ende Oktober 2008 war die Tatsache, daß der 2006 abgesetzte König bei seinem erst kurz zuvor erfolgten Auszug aus dem Palast seine Stromrechnung nicht bezahlt hatte. Angesichts der mehrmals täglich vorkommenden Stromausfälle – auf den zum Sonnenuntergang konnte man auf die Minute genau wetten – hätte ich auch nicht gezahlt.

Kurz zum abgesetzten Königshaus: In Nepal (BSP 2003: 240 US$) haben von der Ideologie des großen Steuermanns Mao inspirierte Freiheitskämpfer (aktiv ab 1995); im folgenden Jahrzeht gab es geschätzt 11.500 Tote nach langen Jahren dann auf dem Verhandlungswege 2006 eine Regierungsbeteiligung erreicht, nachdem König Gyanendra (reg. 2001, ab 2005 auch Regierungschef) zurückgetreten war. Beim Tode des allenfalls nur mäßig beliebtem Birendra, es kam zu dem Massaker zahlreicher Mitglieder der Dynastie durch Prinz Dipendra (er maschierte zum Abendesssen mit einer MPi in den Speisesaal und leerte ein paar Magazine), folgte Gyanendra. Er war von Anfang nicht gern gesehen, zum 1. Februar 2005 erklärte er den Ausnahmezustand und ließ Hunderte politisch Aktive verhaften. Seit 2008 sind reaktionäre Elemente in der Politik und besonders der Armee immer noch stark.

Angesichts des Zustands der Straßen in Kathmandu, die Nebenstraßen sind nur geschottert, ist eine Taschenlampe unerläßlich. Eine lokale Spezialität ist die Art wie Kanalarbeiten ausgeführt werden. Dabei wird am Tag eins, der zu verarbeitende Sand/Zement in einem Haufen mitten in die Straße gekippt, an den Tagen zwei bis drei wird dann von Hand ein Graben ausgehoben, die zwischendurch gelieferten Rohre irgendwo auf die Straße geworfen. Tage oder Wochen später wird zugeschaufelt, aber nicht verdichtet, so daß eine schöne Buckelpiste ensteht. Auf Luxus wie Absperrgitter kann man verzichten, das Ganze findet bevorzugt in drei Meter breiten Bazarstraßen statt, wo Tag und Nacht Lieferungen mit dem Motorrad kommen und Leute die frisch aufgeworfene Erde festtrampeln. (Da lauf durch, wenn der Strom nachts wieder mal weg ist!)

Am und um den Durbar Square.
Schnitzerei 1 Müll ALT Tauben Schnitzerei 2

Als nächstes wollte ich Nepal östlich queren, um bei Bagdogra nach Indien einzureisen und von dort nach Sikkim. Ich kaufte mir also im Reisebüro am Durbar Sq. für 4200 Rs. ein „Luxus"-Busticket. Abfahrt sollte um 5 Uhr morgens vom neuen zentralen Gangabu-Busbahnhof sein. Der ist vom Zentrum 14 km nach Norden. Oh, Du naiver Europäer!

Also um 3.30 Uhr aufgestanden, 15 Minuten gebraucht, den schlafenden Rezeptionisten zu wecken, damit er das Rollgitter aufmacht. Nach weiteren 20 Minuten kommt ein Tuk-Tuk die vollkommen ausgestorbene Straße entlang, Rezeptionist hilft – der Fahrer weiß wann er einen „Stich machen“ kann: 300 Rs zum Busbahnhof. Ankunft dort 4.25 Uhr. Alles neu, schön! Alles leer, weniger schön. Es hat ca. 7 °C, alles offen. Außer einem freundlichen Nachtwächter nichts und niemand. Später zeigen sich ein paar wohlgenährte Ratten. Um 6 machte die Toilette, dann der Teeverkäufer auf. Man hatte mir im Reisebüro gesagt, nach wem ich an welchem Schalter fragen sollte. Besagter Herr erschien „fahrplanmäßig“ (seiner Meinung nach) Punkt 7, war dann aber ehrlich verdutzt als ich meine Fahrkarte hinhielt. Warum der Bus nicht fuhr ist mir nicht ganz klar geworden, wahrscheinlich hat der Monsun sechs Wochen vorher eine Brücke weggewaschen, was man aber im Reisebüro hätte wissen sollen (die hatten extra telephoniert). Eventuell ginge gegen drei Nachmittags ein anderer Bus, aber so genau wußte das keiner und ich müßte eine neue Fahrkarte kaufen. “Fuck this!” – um acht sollte der nächste Bus nach Süden zu indischen Grenze gehen.

Also Ticket dafür gekauft und ab (pfeif auf die 4000 im Reisebüro), es war fünf vor acht – wieder kein Bus. „This Nepal, never on time“ gegen ¾9 dann „get in here,“ ein Kleinbus ohne Fenster. Man fuhr aufs Wildeste durch die Stadt, der zur Tür hinaushängende „Schaffner“ war durchgehend am Fahrziel ausrufen. Nachdem dieser Bus nicht voll wurde, durfte ich umsteigen, später dann nochmal während der neue Bus schon im Schrittempo weiter fuhr und irgenwann gings dann auf den „Highway“ Richtung Süden. Am ersten Raststopp dann Gepäck aufs Dach, damit ich die Füße ausstrecken kann (soweit das mit 1,84 m in einem Bus „made in Japan“ geht).

Schon fast in der Ebene dann ein Stau. Dazu muß gesagt werden, daß es in Nepal keine Warndreiecke gibt, sondern vor einer Unfall-/Pannenstelle einfach ein Steinbrocken auf die Straße gelegt wird. Ein Pannenfahrzeug – davon gibt es viele – wir durch in die Radkästen gesteckte Äste kenntlich gemacht. Wir sind an mehr als einem in den Graben gefallenen LKW LKW abgestürzt
[Abbildung ähnlich]
vorbeigekommen. Nun gab es eine der (seltenen) Totalsperren. Später ist erzählt worden, es habe zwei Tote darunter ein Kind gegeben. Egal, der Highway war schon ca. zwei Kilometer vor der Unfallstelle gesperrt. Wir standen auf der Straße (ich war der einzige Ausländer). Etwa hundert Meter hinter uns ein Touristen-Kleinbus, ich humpelte hin und unterhielt mich mit zwei netten Engländerinnen im Rentenalter.

Nun kam ein weiterer Bus mit etwas, das ich in Asien immer wieder zum Kotzen finde – es ist leider „typisch deutsch.“ In ganz Ostasien leben Hunde verwildert als „räudige Straßenköter.“ In einigen Kulturen gelten Hund und Schwein als gleich unrein, jede Berührung wird vermieden. In chinesisch beeinflußten Kulturkreisen hält man sich allenfalls Schoßhündchen. In Korea sorgt man dafür, daß Hunde schön fett sind Hund am Grill – bevor sie in den Topf kommen. Absolut Niemandem würde auch nur im Traum einfallen einen Straßenköter zu adoptieren und ihn an die Leine zu legen. Sofern man so etwas sieht kann man darauf wetten, daß derjenige ein Deutscher oder Schweizer ist. (Die verschärfte Version ist der schmerbäuchige über-60-jährige am Strand in Thailand: an einer Hand die Hundeleine(n), an der anderen die Nutte, die altersmäßig seine Enkelin sein könnte.) Nun steigt aus diesem überfüllten Bus voller Nepalis ein ca. 27jähriger in dunkelblauer Pseudo-Hippie-Uniform (der etwa eine Woche alte Bart und das verwuschelte Haar deuten auf persönliche Hygienemängel), mit einem Köter (Strick um den Hals) aus dem Bus: „Bei Fuß!” (Arschloch!!! Bei so viel Unsensibilität gegenüber der Kultur fremder Länder kann es nicht wundern wenn Touristen nur abgezockt werden …. Von miniberockten, singlet-tragenden Blondinen ohne BH, die hinterher „Vergewaltigung“ schreien, fange ich hier jetzt nicht an – was mir dazu einfällt ist im heute in Deutschland herrschenden Klima der “political correctness” nicht mehr druckreif.)

Meinem wilden Busfahrer durfte ich dann unter lautem Rufen hinterherhechten, der nutzte nämlich die von einem Krankenwagen geschlagene Bresche, um näher an die Spitze der Schlange zu kommen. Die Unfallstelle war nach zwei Stunden geräumt.

Noch eine Nacht auf nepalesischer Seite der Grenze im verwanzten Guest House von der Herfahrt, nochmal gut gewürztes Wasserbüffel-Schaschlik (scheint es in Indien nicht zu geben) und ab nach Benares (Varanasi), Bus bis Gorakhpur, dann Nachtzug. Sleeper 2. Klasse, in der am Morgen ein indischer Geschäftsmann sehr unruhig suchend herumschaut – man hatte seinen Laptop gestohlen. Tatsächlich erscheint ein Beamter der “Railway Protection Force” (Bahnpolizei, mit Gewehren aus dem 1. Weltkrieg, Modell Enfield .303, Enfield 303 wie sie auch die Wächter vor indischen Banken vielfach tragen.)

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Varanasi und Sarnath

Varanasi (Benares)

Eine Unterkunft fand ich eher zufällig nahe dem Agoreshwar Ghat. Am Straßenrand war ein Verschlag in dem ein älterer Inder saß, der Massagen anbot. Die waren nicht mein Ding, aber er wies darauf hin, daß im Haus hinter ihm Zimmer zu haben seien. Zur Hochsaison waren die 150 Rs für ein von mir allein belegtes 3-Bett-Zimmer ein guter Preis, dem Besitzer, einem Brahmanen, der auch religiös tätig war, schien es weniger um Profit als um erträgliches Auskommen für sich und seine Familie gegangen zu sein. Service in dem Sinne gab es keinen, man traf sich eher ungezwungen im Hof des ehemaligen kolonialherrlichen Gebäudes (Ein- und Ausgang war durch den Massagesalon. Falls Kundschaft da war, was nicht öfter als einmal täglich der Fall zu sein schien, mußte man ggf. warten.)

Ganges Kuhfladen Krokodil Pumpstation Eintrittskarte Askese Vogel Stupa
Varanasi und Sarnath.

Sarnath

Sarnath liegt etwa zwanzig Kilometer nord-östlich von Varanasi. Erreichbar ist es zwar per Bus, die Anfahrt per Tuk-tuk dürfte einfacher sein.
Eigentlich gibt es zu viel zu sehen, um nur einen Tagesausflug von Varanasi aus zu machen. Die Örtlichkeit, an der Buddha seine erste Lehrrede gehalten haben soll, war zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Vergessenheit geraten.

An der Renaissance war die Maha Bodhi Society, die auch einen gepflegten Tempel (सारनाथ मंदिर) errichtet hat, maßgeblich beteiligt.

Um den Tempel hat man im Gelände die Stationen des Lebens Buddhas nachgestellt, teilweise mit Statuen wie der gezeigten, teilweise mit Schaufensterpuppen und naiven Wandmalereien. Für europäische Vorstellungen sehr simpel, fast primitiv.
Der Tempel ist einer von denen, wo es Bakshish-heischende „offizielle Schuh-Umdreherinnen“ gibt. Die Anlage ist gepflegt. Die Dame innen am Buchstand war hilfreich. Nahe des Tempels hat man einen “Deer Park” (Hirschgarten) eingerichtet, der als Vorbild im japanischen Nara gilt. Dazu gibt es noch einen kleinen, netten Zoo, den die meisten Besucher zu übersehen scheinen.

Diwali und Abreise

Diwali, das Lichterfest, ist eines der bedeutendsten Feste des Hindu-Kalenders, es geht über mehrere Tage, man wirft Feuerwerk und ist insgesamt sehr aufgekrazt. Schon Wochen zuvor begeben sich viele Inder zurück zu ihren Familien.

Ich war am letzten Tag, dem Höhepunkt, in Varanasi, fühlte mich aber zu bescheiden, um auch nur mein Zimmer zu verlassen. Vielleicht habe ich etwas versäumt …

Der Versuch mittels Ausländerquote am Sonder-Schalter eine Fahrkarte zu bekommen, war abgesehen von einem Gespräch mit einer ebenfalls wartenden Französin und ihrer 19jährigen Tochter, nicht als Verschwendung von zwei Stunden. Am regulären Schalter gab es 2nd class sleeper vollkommen problemlos und innerhalb von 20 Minuten.

Im Gedächtnis geblieben ist mir noch ein Inder, der sich beim Mittagessen zu mir setzte und sein Englisch ausprobieren wollte. Er war ein “engineer” mit College-Ausbildung. Die Übersetzung „studierter Ingenieur“ wäre hier falsch. Zum einen ist ein College in Indien keine Uni, sondern ein Institut der Sekundarstufe für 14-18jährige. Eher eine berufsvorbereitende (Fach-)Schule. Er war wohl ein maschinenbedienender Facharbeiter – was dort auch schon eine solide Ausbildung darstellt. Wir unterhielten uns ausgiebig über Bildungswesen in Indien und Europa und er war vollkommen baff, als ich erwähnte, daß ich, sollte ich meinen Sohn nicht in die Schule schicken, in letzter Konsequenz mit Gefängnis bestraft würde.

Bildung ist in Indien immer noch ein Privileg, in der Sekundarstufe (ab 7. Klasse) meist privat organisiert und kostenpflichtig, wobei 50 € Schulgeld pro Semester bei 6000 Rs. (ca. 100 €) Monatslohn eine gewaltige Belastung darstellen können. Für den tertiären Bereich gibt es Aufnahmeprüfungen, die oft sehr schwer sind. Die Alphabetisierungsrate ist im lange kommunistisch regierten südlichen Bundesstaat Kerala mit 94% am höchsten. Bihar, das ist die Region zwischen Varanasi und Kalkutta, ist der rückständigste Staat, dort begannen die Briten zuerst mit der kolonialen Ausbeutung (“drain” und “permanent settlement”), wovon sich die Region bis heute nicht erholt hat.

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Bodhgaya – Ort der Erleuchtung?

Mahabodhi-Tempel

Yet Brahmans rule Benares still,
Buddh-Gaya’s ruins pit the hill,
And beef-fed zealots threaten ill
A tourist-show, a legend told,
A rusting bulk of bronze and gold,
So much, and scarce so much, ye hold

Bodhgaya, gilt traditionell als der Ort, an dem Buddha seine Erleuchtung erreicht haben soll. Mindestens seit dem 4. Jhdt. v.u.Z. gibt es dort einen vielfach umgebauten Mahabodhi-Tempel im hinduistischen Stil. Ab Ende des 19. Jahrhunderts gab es Streit zwischen dem hinduistischen Mahant (religiöser Verwalter), der diese einkommensstarke Pilgerstätte kontrollierte und buddhistischen Gruppen (von Ceylon kommend), die Mitspracherechte forderten. Seit 1949 ist der Tempel im Besitz einer buddhistischen Stiftung.

Innerhalb des ummauerten, gratis zugänglichen Tempels (Schuhe am Eingang gegen Nummer abgeben), befindet sich ein gutbestücktes Buchgeschäft. Zahlreiche tibetische Mönche haben ihre Holzpritschen aufgestellt. Man kann sie bei ihren unzähligen Niederwerfungen beobachten. Mir ist nicht klar ob sie auch vor Ort schlafen.

Mahabodhi-Tempel Baum Nonne Im Mahabodhi-Tempel Dharmachakra Nonne ALT
Mahabodhi-Tempel

Die Anlage ist für indische Verhälnisse sehr gepflegt, auch mit Blumenbeeten um die zahlreichen Stupas. Die Terassen und der Rasen um den “Muchalinda Pond” (künstlichen See) wird von zahlreichen Meditierenden genutzt. Das unmittelbare Tempelareal ist ganztägig stark überlaufen, obwohl sich sogar die sonst sehr lauten chinesischen Tourgruppen zurückhalten.

Der jetzige Bodhi-Baum ist aus einem Ableger gezogen, den man aus Ceylon brachte. Der dortige wiederum soll von einem Steckling stammen, den der Bruder oder Sohn Ashokas im 3. Jhdt. v.u.Z. dorthin brachte.
Die unteren Äste sind so gestutzt, daß man sie nicht mit den Händen erreichen kann, sobald ein Blatt herabfällt findet sich ein Pilger, der es als Andecken mitnimmt.

Außerhalb des Tempels kann man die Geschäftstüchtigkeit der Einheimischen sehr schön beobachten. Es gibt einen außergewöhnlich lebhaften Pilgermarkt. Dabei zielt man sowohl auf indische als auch westliche Pilger ab. Rosenkränze, Buddhafiguren, „Meditationsmusik“-CDs in voller Lautstärke, Schneekugeln (!) usw. ad nauseam.

Anmache

Leider sind die Bettler in Bodhgaya wegen der zahlreichen Touristen extrem aufdringlich. Besonders lästig sind die (an sich bedauernswerten) zum Betteln abgerichteten Kinder. Wenige Europäerinnen können den glubschaugigen Bürschchen widerstehen.

Als ich am zweiten Tag aus dem Tempel zu meinem Hotel ging, mußte ich eine ca. 20jährige Litauerin retten, die den Fehler gemacht hatte einen 20 Rs Schein aus ihrem Geldbeutel zu nehmen. Sie war dermaßen von Kindern umlagert, daß sie keinen Schritt mehr machen konnte, andrerseits nicht wußte, wem sie nun den Schein geben sollte. Sie saß dann im Speisesaal – erstmal in Tränen ausgebrochen – mit mir im Hotel, bis die Bälger nach einer ¾ Stunde die Belagerung aufgehoben hatten und sie sich heim traute. Zwei Tage später sah ich sie nochmal versteckt auf unserer Treppe.

Daß den Einheimischen der negative Einfluß auf ihr Geschäft bekannt ist zeigt z. B., daß Absätze wie “For a non-Indian it is almost impossible to walk 20 m in the streets without being accosted. Approaching the precincts of the Mahabodi-Temple one understands why Jesus threw the the money-lenders out of the Temple in Jerusalem. Riksha-Wallahs and the hordes of beggars, particularly the groups of children sent to beg instead of going to school, are much more persistent than in other places.” von Wikitravel immer mal wieder gelöscht werden.

Eines Abends meines viertägigen Aufenthalts fiel mir vor einem der besseren Hotels ein Auto auf. Ein Pick-up mit Wohnaufbau aus geriffelten Edelstahlplatten (muß furchtbar heiß werden) und Berner Nummenschild. Das Auto hatte ich schon auf dem Weg nach Kathmandu vor meinem Bus gesehen. Als ich mir den Wagen näher ansah stieg gerade der schweizer Besitzer aus. Wir kamen ins Gespräch; seine Frau lag mit Magenproblemen und Fieber krank auf dem Zimmer. Die beiden waren über Sibirien, China, den Karakorum-Highway nach Pakistan und von dort nach Indien und Nepal gefahren. Es wurde noch ein ausgeprochen gemütlicher Abend als sich noch ein amerikanischer professioneller Photograph, der in Bangkok lebte, zu uns gesellte. Da Bodhgaya als „heiliger Ort“ wie so viele indische Städte “dry” ist – also kein Alkohol öffentlich ausgeschenkt wird – hat mein Etagenkellner, der uns mit einigen Runden Bier versorgte, den Abend ein nettes Zubrot verdient.

Andere Tempel

Zahlreiche Gläubige haben in der Tradition ihrer Länder, besonders entlang der Domughan-Bodhgaya Rd., errichtet (dort auch 3 Banken zum Geldwechsel). Diese sind alle sehenswert, teilweise bieten sie auch kostenpflichtige Übernachtungsmöglichkeiten für Pilger.

Auffallend ist der Bangladeshi Tempel, ein in Kaugummi-rosa gehaltenes Bauwerk (2008 noch im Bau) und der japanische „große Buddha,“ dessen Auffahrt von zahllosen Postkartenverkäufern belagert wird. Im zugehörigen Indosan Nippon gibt es frühmorgendliche Meditationen. Besonders innerhalb der Tempel bietet Bodhgaya zahlreiche Orte der Stille, die, ebenso wie die durchgehend gepflegten Anlagen zum längeren Bleiben anregen.

Sehenswert ist auch das kleine archäologische Museum, sofern man sich für Skulpturen interessiert.

Daibutsu ALT Bodhisattvas Tibet Tempel

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Kalkutta

Tram
Kalkutta Tram. (Links oben Metro-Fahrkarte, unten Bus).

Die Metro zeigte neun Jahre nach Eröffnung schon Indien-typische Verfallserscheinungen, sie wird von einer örtlichen Firma betrieben. Im Gegensatz dazu war die Metro in Delhi nach acht Jahren unter französischem Management in „europäischem“ Zustand. An den Zugängen befinden sich in beiden Städten Durchleuchtungsgeräte wie am Flughafen, großes Gepäck darf nicht mitgeführt werden.

Kalkutta ist die Hauptstadt von Bengalen. Politisch korrekt sagt man heute „Kolkata,“ das ist und bleibt für mich aber eine sehr delikate süd-indische Süßspeise.

Über die Stadt existieren die übelsten Geschichten von Dreck und Anmache, auch in Reiseführern. Die Einwohner sind etwas dunkelhäutiger und meist etwas kleiner als durchschnittliche Inder. Die britischen Kolonialherren hielten die Bengalen für eine verweichlichte Rasse, die man keinesfalls in der Armee haben wollte. Der Anteil an Korangläubigen ist in West-Bengalen noch vergleichsweise hoch, viele siedeten aber 1947 ins damalige Ost-Pakistan (seit 1971 Bangladesh) um.

Ein Herr, den ich erst für einen Schlepper hielt und deshalb etwas rüde abfertigte, hat mich zu einem gerade noch erträglichen Hotel (300 Rs ohne TV und A/C) im Viertel hinter dem Bazaar (nahe Esplanade) gebracht.

Marx
„Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.“

Der Bundesstaat West-Bengalen und Kalkutta wurde (bis 2012) mehrere Jahrzehnte von demokratisch immer wieder gewählten Kommunisten regiert. Es gibt daher:

  • ein funktionierndes Trambahnnetz
  • eine U-Bahn, die aber nach neun Jahren Betrieb Indien-typischen Verfall zeigte
  • halbwegs saubere Straßen
  • Taxifahrer, die anstandstlos ihr Meter einschalten (!)
  • Ampeln, die nicht nur funktionieren sondern auch beachtet werden
  • alle paar Tage einen „bandh", d. h. Streik mit Demo, oft politisch motiviert
  • in der Hauptkasse der Elektrizitätsgesellschaft ein blumenumkränztes Leninporträt, das ihn im Stile eines Hindu-Gottes darstellt.

Noch in Delhi hatte ich mir einen Flug nach Pt. Blair auf den Andamanen gebucht, das ist zwar an sich ein Gebiet für das man ein Permit braucht, aber die sollte es bei Ankunft am Flughafen geben. Check-in war für 4.45 Uhr angesetzt. Also aus meinem Hotel gepflegt im Ambassador-Taxi durch das ausgestorbene Kalkutta zum Flughafen, wo - “this is India” - kein Flug angeschrieben war, den hatte man abgesagt. Umbuchen wollte man mich auch nicht, ich könne mir aber meine rund 90 $ im Reisebüro in Delhi (!) wieder holen (das gelang auch, ich verdiente sogar noch am Wechselkurs).

Eintrittskarte
Eintrittskarte zum Indian Museum. Ausländer zahlen hier freundlicherweise nur das Dreifache, bekommen dafür aber diese schöne bunte Karte, während Einheimische nur ein rosa Zettelchen erhalten. Innen zahlreiche Räume mit Wasserschäden, rund ein Drittel ganz geschlossen.

Sudder Street

Also wieder ins Hotel (Shams International hinter der Sudder Street), mein Zimmer war um 9 Uhr früh eh noch nicht geputzt. “Just as well” wie der Engländer sagt, denn am Nachmittag begann der “Delhi belly” ernsthaft. Die nächsten drei Tage bin ich zwischen Bett und WC hin- und hergekrochen, weitere drei Tage kaum gegessen. In einer Woche habe ich etwa acht Kilo abgenommen.

Witzig war dann, als ich meinen bestellten maßgeschneiderten Anzug abholen wollte. Bei der Anprobe waren die Hosen deutlich zu weit. Der Chef murmelte etwas von der Art „was hat der Trottel denn gemessen“ vor sich hin. Er konnte nicht glauben, daß man in zehn Tagen so viel abnehmen kann. Barkat Ali & Bros. sind bestimmt nicht die billigsten Schneider (4,5 m Stoff „made in Italy“ für Sakko + 2 Hosen hatte ich schon in Kathmandu gekauft), alles zusammen machte 150 € und gehandelt wurde nicht. Die Qualität ist gut, die Bedienung könnte freundlicher sein.

Mutter Teresa

Lenin
„Brüder zur Sonne, zur Freiheit!“

Erwähnenswert ist noch das Fairlawn Hotel – [renoviert 2010] ähnlich wie das Atlanta in Bangkok – eine Institution für diejenigen, die sich nicht scheuen ab und zu etwas Kolonialherren-Dekadenz zu genießen. Das Gartenrestaurant ist der richtige Ort für einen traditionellen Sundowner (Pink Gin). Nun war ich für ein Bierchen (trinkbar ist in Indien besonders Kingfisher) zu krank. Aber eine Kanne schwarzen Tees ohne Milch im kühlen Garten war abends sehr angenehm.

Dort traf ich einen Franzosen, der seit Jahren seinen Urlaub als Helfer bei Mutter Teresa verbringt. Er hat mich über die Verhältnisse etwas aufgeklärt. Man sammelt weniger „die Sterbenden“ ein, sondern eher arme Schweine, die auf der Straße leben und päppelt die etwa 14 Tage auf, versorgt sie medizinisch usw. Das ist in einem Land ohne soziale Sicherung auch eine Hilfe. Andrerseits gab es schon 1994 im medizinischen Fachjournal Lancet dahingehend Kritik an den “homes for the dying,”

daß man die Menschen dort absichtlich leiden ließe. Gut 40% der Eingesammelten sterben dort, auch weil medizinischen Versorgung auf ein Minimum beschränkt ist.

In diesem Zusammenhang interessant ist die [auf youtube 2021 noch verfügbare] Doku Welcome to India, (engl., 3 Teile je 58 min) die kapitalistische Selbstausbeutung in rosigen Farben glorifiziert. Einer der Dargestellten lebt davon, daß er nachts im Goldschmiedeviertel den Staub zusammenkehrt und in die Kanalisation durch Schlamm und Scheiße taucht, aus der gewonnenen Masse Mist dann 2-3 g Gold pro 80 kg herausbekommt. Man betrachte auch das gegen Ende der Doku gezeigte in seinen Augen luxuriöse Wohnquartier. Der Mensch ist des Menschen größter Feind …

Bevor ich mir die Fahrkarte nach Norden besorgte, habe ich versucht nach Bangladesh zu fahren. Theoretisch gibt es eine Zugverbindung, den zwei Mal wöchentlich verkehrenden Maitree Express, der an einem besonderen Schalter nahe des Hauptpostamts gebucht werden kann. Es gibt nahe dem Hauptpostamt (mit Sammlerschalter und kleinem sehenswertem Postmuseum) ein “International Booking Office,” dernn der Hauptbahhof Kalkutta-Howrah ist am anderen Flußufer, von dem ich abraten möchte. Die Beratung war so schlecht, daß ich das einzige Mal zum “complaint book” greifen mußte. Gebracht hat es nichts, weniger weil kein Sitz zu bekommen war, sondern weil die Bangladeshis mit ihrem Visum einen solchen Zirkus machen, daß ich bei einem dreitägigen Ausflug nach Dhaka zwei im Zug und einem am Amt (für die Wiederausreiseerlaubnis 20 US$ zusätzlich zum Visum) gebraucht hätte.

Zwei Straßen weiter ist etwas versteckt ein lokales “booking office” der Eastern Railway (6, Sido Kanhu Dahar, Esplanade, Chowringhee North, Bow Barracks) mit über zwanzig Schaltern, das auf inländische Fernzüge spezialisiert ist. Dort ging es bedeutend flotter, nur eben ohne Quote, die man angesichts der zunehmenden Computernutzung eh kaum noch braucht.

Brücke 1 ALT Brücke 2 YMCA Bauaufzug Straßenbau Baugerüst

Weiter ging es nach Sikkim, zunächst per Zug nach Siliguri, einer Stadt mit sieben Millionen Einwohnern, die in Deutschland kaum einer kennt. Der Bahnhof ist südlich und heißt NJP (niemand sagt New Jalpaiguri). Gepäckträger und Schlepper erschienen mir noch aufdringlicher als andernorts. Auf dem Vorplatz gibt es eine Reihe Freßbuden, die sich im australischen Stil sämtlich „Hotel“ nennen. Sie haben weder Zimmer noch Toiletten. Zwei Mittelklasse-Hotels finden sich rechter Hand des Platzes (etwa 30 m die Straße rein). Siliguri ist landesweit bekannt dafür, daß der Bezirk Khalpara das größte Nuttenviertel des Subkontinents sein soll. Frischfleisch kommt regelmäßig aus dem noch ärmeren Nepal.

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Sikkim

Permit und Anreise

Sikkim war bis 1975 ein unabhängiges Fürstentum, es ist eine strategisch sensible Bergregion. Bewohnt wird es von ethnisch der mongolischen Völkerfamilie zugehörigen Stämmen. Durch die Höhe waren die Temperaturen erträglich. Der Bundesstaat ist weniger der konservativen hinduistischen Tradition verbunden, es gibt Alkohol ziemlich problemlos, eine Lotterie, Spielkasino (seit 2010) und die wohl einzige richtige Fußgängerzone Indiens. Insgesamt die sauberste Region Indiens mit extrem netten Menschen.

Zunächst brauchte ich aber ein Permit, das es in der Doppelstadt Siliguri-New Jaipalguri (NJP) im „Tourist Office“ gibt. Das Permit (mit 6 Durchschlägen, davon zwei für den Reisenden) bekommt man kostenlos, wenn man seinen Kugelschreiber selber mitbringt – Informationen gibts keine. Daneben ist dann gleich die Busstation. Auf halbem Wege nach Gangtok reist man dann richtig offiziell für maximal 14 Tage nach Sikkim ein (Stempel im Paß usw.)

Gangtok

Gangtok
Blick über Gangtok.

Gangtok liegt am Steilhang, die Busse fahren nur den halben Weg hinauf. Mit meinem kaputten Fuß bin ich dann nur um eine Kurve in das erst beste Hotel getigert. Direkt in der Nähe war die Talstation der örtlichen Seilbahn. Diese Touristenattraktion ist insofern interessant, als daß nur Rückfahrkarten (60 Rs) verkauft werden. Die Inder steigen oben nicht aus, sondern fahren alle sofort wieder runter. Dabei befindet sich auf der Bergspitze ein schöner Millenium Park und die Flower Show (10 Rs), die für ihre Orchideenausstellung im Frühjahr berühmt ist. Ich habe mir von der Dame am Schalter ziemlich überteuerte Blumenzwiebeln aufschwatzen lassen (gibt es auch im städtischen Markt zahlreich). Ein weiteres Souvenir sind auch Kardamon-Kapseln (die schwarzen), die vor Ort wachsen (200 g, 80 Rs.). Trotz meiner Befürchtungen gab es keine Probleme am Zoll in Frankfurt.

Als ich zur Rückfahrt auf meinen Bus wartete, steckte ich mir eine Zigarre an, die ich in Kalkutta gekauft hatte, 25 St. für 360 Rs; Größe Corona, was einen mittelgroßen Volksauflauf verusachte. Ich hätte die ganze Kiste verschenken können. Geraucht werden in Indien fast nur Beedies, Beedie das sind kleine, zigarettenähnliche nur aus Tabak bestehende Dinger, die streng riechen und schnell ausgehen.

AFußgängerzone No ifs „Springbrunnen“ Race Rumtek Weihnachtsstern Gebetsmühlen Baumfarm Lose
In Gangtok und Kloster Rumtek.

Rumtek Kloster

Am nächsten Tag habe ich dann das die siebzig Straßenkilometer (24 km Luftlinie) entfernte tibetische Kloster von Rumtek besucht. Der dort ansässige Oberlama der Karma Kagyu ist politisch gegen China deutlich aktiver als der Dalai Lama. Am Eingang indische Soldaten, Eintrag ins dicke Buch, Permit vorzeigen. 5 Rs Eintritt und absolut paradiesisch.

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Darjeeling

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Kanchenjunga (= Kangchendzönga).

Aus Gangtok wieder nach NJP mit dem Bus, nach einer Nacht im besseren der beiden Bahnhofs-Hotels – man hatte unmittelbar vor meinem Einzug mit Insektengift geprüht, die halbtoten Kakerlaken schoben sich noch röchelnd über den Fußboden, ging es dann mit dem Toy-Train nach Darjeeling hinauf.

Ich hatte Glück, nicht nur wurde eine Dampflok vorgespannt, in der 1. Klasse bekam ich auch einen Sitz. Man muß kein Eisenbahnfan sein, um diese Fahrt zu genießen: 83 km in 8½ Stunden, da bleibt Zeit zum Blumenpflücken! Darjeeling war um 1840 von den Engländern als Sanatorium eingerichtet worden, es war später eine Sommerhauptstadt und pflegt sein koloniales Flair, wenn auch der Verfall offensichtlich ist.

Darjeeling liegt so hoch, daß es Anfang November nachts schon frisch wird. Bei meiner Ankunft kurz nach Einbruch der Dunkelheit schaffte ich es im ersten besten Hotel als einziger Gast eingelassen zu werden. Heißes Wasser gab es auf Bestellung im Eimer. Service gleich null, der Portier wenn er denn da war ein echter Bakshiiiiish-Fischer.

An meinem Ankunftstag und dem nächsten war “bandh” (Generalstreik). Die in den letzen Jahrzehnten zugewanderten Gurkhas fordern einen autonomen Bundesstaat Gurkhaland. Zumindestens eigene Autonummernschilder haben sie schon entworfen. Das wird vor Ort toleriert, sobald man ins Flachland kommt werden die Wagen aber von der Zentralregierung gnadenlos mit Beschlag belegt.

Lok
Lok der Darjeeling Himalayan Railway. Die Strecke hat 60 cm Spurweite, zum höchsten Punkt geht es 2100 Höhenmeter über 81,7 km Strecke. Fahrplanmäßig ist man 6½ Stunden unterwegs, üblicherweise dauert’s 8 Stunden, gelegentlich 10. Dampfloks werden meist bei Sonderfahrten eingesetzt (seit der Monsunsaison 2010 ist die Strecke auf halber Höhe unterbrochen).

Bekannt ist die Region natürlich wegen des Tees. Nun muß gesagt werden, daß qualitativ hochwertiger Tee in Indien praktisch nicht erhältlich ist. Diese Ware geht über die Teebörse in Kalkutta zu 100% in den Export. Eine Teepflückerin erhält für ihre Tages-Norm 18 kg frischer Blätter 30 Rs Grundlohn, für jedes weitere Kilo 8 Rs, etwas mehr für die kleineren Blätter der ersten Pflückungen. Einige größere Teefarmen haben in Darjeeling „Hofläden“ eingerichtet, wo es gute Qualitäten gibt. Dummerweise wurde die deutsche zollrechtliche Freimengenbegrenzung von 250 g erst zum 1. Dez. 2008 aufgehoben, so daß ich für meinen Rückflug noch nicht zuschlagen konnte.

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Delhi und Rückflug

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Irgendwo in der Gangesebene. Man steigt abends in einen Zug und sieht eine solche Landschaft mit Reisfeldern links und rechts. Am nächsten Morgen und 1200 km weiter wacht man auf und es sieht genauso aus. Vollkommen flach. Da wir auch klar, warum die vom Kyber-Paß kommenden Horden, die alle paar Jahrhunderte über Indien herfielen nicht aufgehalten werden konnten.

Für die 1800 km von NJP nach Delhi hatte ich schon einen “sleeper” gebucht. Ich habe mich auf halber Strecke mit der einzigen anderen Ausländerin im Wagen, einer Amerikanerin, zusammengetan. Unterhalten haben wir uns mit einer sehr netten Mittelklassefamilie, die sehr unindisch nur zwei Kinder hatte.

Der aus Assam kommende Zug hatte schon in NJP drei Stunden Verspätung, bis wir nach 62 Stunden morgens um drei in Old Delhi ankamen, waren wir ca. 16 Stunden verspätet. Ich wäre bis Sonnenaufgang im Bahnhof geblieben, die Dame bestand darauf im Bazaar am New Delhi Bahnhof sofort ein Zimmer zu nehmen. Also mit einem offensichtlich selbstmörderischen Tuk-tuk-Fahrer durch das nächtliche Delhi zum Main Bazaar. Ich ließ sie das Zimmer aussuchen und den Preis aushandeln. Mit meinem kaputten Fuß war ich nach den sechs Wochen auch durch die Hitze und dauernde Anmache: “Hello Mister - where you come from? Want transport? Come my shop?!” mehr als fertig und für ihre Ansprache sehr dankbar – ich habe sie gnadenlos vollgejammert.

Unter den Angehörigen der Sikh-Religion – das sind die Herrschaften mit den orangen Turbanen – ist es üblich, daß sich die örtlichen Tempel (gurdwara) zusammentun und einmal im Jahr einen Umzug zu veranstalten, bei dem neben „Trachtengruppen“ unter anderem kostenlos Essen verteilt wird. Das zog sich den ganzen Tag durch die Hauptstadt hin. Es gab mehrere „rollende Küchen.“ Auffallend war jedoch, daß sich vor allem Mittelklasse-Inder vollfraßen und in schon fast widerlicher Weise halbgegessene Teller wegwarfen. Die wirklich Armen („Unberührbaren“?) trauten sich kaum heran – von den Millionen hungernden Negerkindern in Indien will ich hier nicht reden.

Mir blieben noch zwei Tage zum Shoppen. In der Nähe des Bazaars ist das Stadtzentrum von New Delhi, der Connaught Place, drei konzentrische Ringstraßen bilden beste Lage mit Einkaufszentren, Buchläden, Wimpy’s, das ist eine englische Schnellrestaurantkette, es gibt „Mutton Burger“ und saubere Toiletten usw. Seit ich 1994 dort war deutlich im Verfall, aber immer noch das „Vorzeigeobjekt.“ Bettler und Kühe werden ferngehalten – was ich damals noch nicht wußte. Ich trug schwarze Armee-Schnürstiefel. Diese hatte ich gerade für 20 Rs (damals 0,70 US$) auf Hochglanz polieren lassen. Der Schuhputzer war früher offensichtlich in der Armee gewesen und verstand sein Handwerk: man konnte sich spiegeln. Hat mich ungemein gefreut. Kaum drei Minuten später tippte mich ein weiterer Schuhputzer (er ging, seinen Kasten um die Schulter) an: „Mister, your shoes dirty!“ ich scheuchte ihn weg. Als ich dann doch hinuntersah, hatte ich einen Batzen Kuhscheiße mitten vorne drauf. Erst später bin ich darauf gekommen (keine Kühe im Connaught Circle!), daß wohl ein Komplize des Schuhputzers 2 mit dem Löffel eine Ladung gezielt plaziert hatte. “Incredible India.”

Der Tuk-tuk-Fahrer zum Flughafen war ein echtes Schlitzohr im Stile eines Schwejk aber sehr nett dabei. [Seit Januar 2013 fährt eine Metro zum Flughafen].

Ich hatte auf dem Hinflug 8½ Kilo Gepäck, zurück waren es 23, dabei hatte ich den Pulli, Anzug (theor. zollpflichtig) und die schweren Stiefel an. Zusätzlich hatte ich schon mehrere Päckchen mit zusammen 12 kg Büchern vorausgeschickt. Abgenommen hatte ich 13 kg.

Im Duty-Free wude für Europa kein Whisky abgegeben, weil die EU die Sicherheitskontrollen für so unzuverlässig hält, daß sie das „schußsichere“ Verpacken in Plastiktüten nicht ordentlich durchgeführt werden können. Zwei Tage später waren die Anschläge von Bombay, der gesamte Flugverkehr wurde am 26. November kurzfristig eingestellt.

Die fünf Stunden am 08/15-Flughafen in Helsinki gingen auch vorbei. Interessant war die Auszeichnung im Geschäft, zum Vergleich zeigte man “EU price,” gemeint waren finnische Inlands-Preise, so daß einen € 4,50 für eine flasche Bier zum Mitnehmen billig erscheinen sollte! Nach einer Nacht in Frankfurt, mittags wieder in München. Tür auf, Rucksack in die Ecke, Badewasser einlaufen lassen – schieres Glück! Es folgten vier Monate auf Krücken.

Hund
Schluß!

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Nachtrag: Der „Gratis“-Flug

Gebucht hatte ich für 602,80 € einen Flug mit Finnair von Frankfurt mit Umsteigen in Helsinki nach Delhi. Abflug Montag morgens ca. 6 Uhr. Ich bin also mit dem „Schönen Wochenende“ am Sonntag aus München angereist, habe im Bahnhofsviertel ein paar Stunden in der Kneipe Mosel Eck, einer Spelunke mit Charme, mit einigen Originalen verbracht. Der alterndende schwule „Bartender“ allein war schon eine Schau. Als „Kind der Siebziger“ bin ich mit nur drei Fernsehprogrammen und der großen Samstagsshow aufgewachsen – Thööööölke, Peter Frankenfeld, Hans-Joachim Kulenkampff und schlißlich Blauer Bock. Es mußte also ein „Bembel“ her - Sorry, liebe Hesse’: Äppelwoi ist ein widerliches Gesöff!

Mit einer der letzten S-Bahnen zum Flughafen gefahren und auf einer der Schalen, die man auch mit viel Wohlwollen nicht als „bequeme Sitzgelegenheiten“ bezeichnen könnte, niedergebettet. Finnair fliegt von Terminal 3, das man mit einem Monorail ohne Fahrer erreicht. Mein Fuß war inzwischen schön schnmerzhaft. Um ca. 4.40 Uhr war mein Flug nicht angeschrieben, kein Schalter offen. Die ex-DDRlerin am Infoschalter war nett und kompetent, etwas, daß man von der Dame am kurz nach 5 geöffneten Finnair-Schalter nicht sagen konnte. Nachdem sie, ich war der einzige Kunde, gut 15 Minuten versuchte ihrem Computer meinen Namen beizubringen, stellte sich heraus, daß der Flug nach Helsinki „gecancelled“ war (anrufen in irgendeiner Zentrale konnte sie in der Früh nicht.) Nach weiteren 20 Minuten stellte sich heraus, daß man mich auf den Direktflug von Lufthansa nach Delhi umgebucht hatte. Dessen Abflug war 14 Uhr, Ankunft 3 Stunden später als geplant.

Also zurück Terminal 1, bei LH einchecken. Bis etwa 10 Uhr war ich zu Tode gelangweilt, mein Fuß schmerzte extrem und die Sessel nicht mehr auzuhalten. Für einen Essensgutschein und zwei Stunden in der Lounge hätte ich Finnair ja verziehen. Die verständnisvolle LH-Dame erklärte sich nicht für zuständig, also wieder über drei Rolltreppen und den Monorail zum Terminal 3 (Scheiß Fuß!). Dieselbe Finnair-Dame mit unhöflich sehr freundlich beschrieben. Endergebnis: Holzbankpassagiere kommen in FFM keinesfalls in die Lounge und bei Burger King können sie sich auf eigene Kosten internationale Cuisine kaufen.

Netterweise hatten sich ein paar Jahre zuvor die „überbezahlten brüsseler EU-Bürokraten,“ die „Fluggastrechte“ ausgedacht, was die Flughafenverwaltung auf Plakaten bekanntmachte.

Das Prozedere ist wie folgt: 1) schriftliche Beschwerde an die Airline, 2) falls nach 14 Tagen nicht bearbeitet, schriftlich auf Formular an die Aufsichtsbehörde (in Deutschland Luftfahrtbundesamt in Braunschweig), Kopie an Airline. Also ab ins Internetcafe (3 € für 20 Minuten), Finnair-Seite suchen und „Beschwerdeformular“ abschicken.

Ich greife nun vor. Drei Wochen später – ich war in Kathmandu – hatte ich immer noch nichts gehört. Die eMail war im Nirvana verschwunden. Nun ist es in K. nicht unbedingt einfach ein Internetcafe zu finden, in dem der Drucker für zwei Mal sechs Seiten Formular taugt. Standardbetriebssystem auf dem ganzen Subkontinent: Windows 98, das hatte nämlich noch keinen Kopierschutz! (Und so ein 56k-Modem ist auch was Feines!) Es ergab sich nun das Problem sich bei Finnair schriftlich zu beschwerden. Ich lernte die Wichtigkeit der deutschen Impressumspflicht zu verstehen. Kurz gesagt, weder auf der deutschen noch der englischen Internetpräsenz von Finnair fand sich irgendwo eine Postadresse! Nur überteuerte Hotline-Nummern und besagtes eMail-Formular. Nach etwa 20 Minuten entdeckte ich die Anschrift des Frachtabteilungs-Hauptquartiers am Flughafen Helsinki.

Als nächstes: Luftpostbriefumschläge kaufen. Die haben aber wie in allen tropischen Ländern keinen Gummi, also Klebstoff auftreiben. Dann das Hauptpostamt am anderen Ende der Stadt finden (Knöchel wieder extrem schmerzhaft). Weil Feiertag war nur ein Sonderschalter geöffnet, der aber netterweise Einschreibbriefe annahm. Tagesergebnis: Zwei Briefe versenden: 6 Stunden rummachen.

Zwei Monate nach meiner Rückkehr hatte ich weder vom LBA noch Finnair gehört. Also Mahnungen rauslassen. Dabei stellt sich heraus, daß die Finnair-Hotline nur vormittags besetzt ist, die frankfurter Repräsentanz steht nicht im Telephonbuch, es scheint auch keine Postadresse zu geben (nur via Fraport). Anm.: 2013 immer noch unverändert. Servicenummern jetzt 2,96-3,12 €. 2021 gibt es auf https://www.finnair.com/de-de immerhin „Imprint;” ist das neudeutsch für Impressum oder ein weiterer Verschleierungsversuch?]

Wiederum Wochen später aus Braunschweig ein Schrieb, daß ich wohl ein berechtigtes Anliegen hätte, man werde es an die Finnair weiterreichen. Inzwischen versuche ich zwei Mal bei der Hotline (nur € 1,80 pro Minute) – inzwischen war ich auf die mir zustehenden € 600 wirklich scharf - etwas zu erreichen (Problemkennummer angeben, „nein, die Mail haben wir nicht bekommen“ und alle anderen Abwimmel-Negertricks …) Nachricht von der Post, daß beide Einschreiber aus Kathmandu nachweisbar zugestellt sind. Zwischendurch kommt ein weiterer 08/15-Brief aus Braunschweig.

Extrem frustriert fand ich dann zufällig bei Google in einem „nur für Airlines“-internen pdf eine Telephonnummer am Flughafen Frankfurt. Die erreichte Vorzimmerdame ist dann nicht irgendwer, sondern tatsächlich die des Deutschlandchefs. Sie hörte sich mein detailliertes Gewinsel über die Schwierigkeiten der Erreichbarkeit an (es ist Freitag Mittag), mit der Bitte ich möchte doch ihrem Chef auf Englisch schreiben, Deutsch könne er nicht. Das war dann aber plötzlich nicht mehr nötig. Schon Montag lag ein Brief in Kasten, daß man „kulanterweise“ die 600 € zahlen würde. Nicht wundern darf, daß die Überweisung nicht klappte, sondern noch zwei weitere Telephonate erforderte … Summa sumarum habe ich aber für Frankfurt–Delhi retour ganze € 2,80 bezahlt - + Porto, Telephon und sehr, sehr viel Nerven.

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